Ausgabe Januar 1992

Der Süden - abgeschrieben?

Die Bedrohung aus dem Süden

Während der vergangenen Jahrzehnte fanden in der internationalen Ordnung wichtige Veränderungen statt, doch ist die Kontinuität in anderen Bereichen nicht weniger bedeutsam, insbesondere im Hinblick auf die Nord-Süd-Beziehungen. Zwar wurde die US-Politik gegenüber der Dritten Welt in den Kontext des Kalten Krieges eingebettet, doch war dies mehr von ideologischer Nützlichkeit denn von Tatsachen diktiert. Die Nord-Süd-Konflikte mit ihrer tiefen Verwurzelung in der Kolonialzeit werden aller Wahrscheinlichkeit nach andauern, trotz der Anpassung der Politik der Vereinigten Staaten und anderer moderner Industriemächte an die sich verändernden Bedingungen, von denen das Ende des Kalten Krieges nur ein Aspekt ist.

Zu Beginn der 70er Jahre hatten die USA die übermächtige Stellung eingebüßt, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg besaßen, und es gab Spekulationen über miteinander konkurrierende Handelsblöcke (Dollar, Yen, ECU). Zwar sind die USA noch immer eine führende Wirtschaftsmacht, doch sehen sie sich mit ernsten innenpolitischen Problemen konfrontiert, die während des letzten Jahrzehnts durch eine zu Lasten sozialer und ökonomischer Entwicklung gehende Politik verschärft wurden, welche nun ihren Preis fordert.

Januar 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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