Ausgabe Januar 1992

Der Süden - abgeschrieben?

Ein fünfhundertjähriges Reich? Zum Grenznutzen der Dependenztheorie

Einem sich offensichtlich wieder einbürgernden Usus folgend will ich diesen Artikel mit einer Rückbesinnung einleiten. Im Jahre 1974 habe ich einen Aufsatz mit dem bezeichnenden Titel „Zur Ideologiekritik der lateinamerikanischen Theorien der Unterentwicklung und Abhängigkeit" veröffentlicht (Hurtienne 1974). Dort stellte ich unter dem Einfluß der lateinamerikanischen Diskussion über die Tragfähigkeit der Abhängigkeitstheorie (Cordova 1973, Laclau 1974, Cardoso 1974) fest, daß die wissenschaftliche Diskussion um die Ursachen der Unterentwicklung der Länder der Dritten Welt und der Peripherie Europas Anfang der 70er Jahre in ein neues Stadium getreten sei: „Der forcierte Kapitalakkumulationsprozeß in Brasilien, Mexiko, Iran und den Exportökonomien Südostasiens rückte schlagartig die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen kapitalistischer Industrialisierung in der Dritten Welt in den Mittelpunkt der empirischen und theoretischen Arbeiten der verschiedenen Schulen der Theorie der Unterentwicklung" (Hurtienne 1974, S. 213).

Januar 1992

Sie haben etwa 33% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 67% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo