Ausgabe Juni 1994

Soziologe und Intellektueller

Über Helmut Schelsky

Der 1984 verstorbene Helmut Schelsky gilt nach wie vor als zitierfähige Größe in den unterschiedlichen Feldern der ausdifferenzierten Bindestrich-Soziologien und der anthropologisch begründeten Institutionentheorie. Dies beweisen die zahlreichen Verweise auf Schlüsselpublikationen des bekannten Nachkriegssoziologen, der wie kaum ein anderer die westdeutsche Soziologie nach 1945 über Fachgrenzen hinaus bekannt gemacht hat (Pädagogik, Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft u. a.). Stichworte wie „nivellierte Mittelstandsgesellschaft" oder „skeptische Generation", „wissenschaftlich-technische Zivilisation" und „Einsamkeit und Freiheit" und nicht zuletzt eine Fügung wie „Die Arbeit tun die anderen" haben sich, aus den Sphären sozialwissenschaftlicher Diskurse kommend, ihrer populär-soziologischen Griffigkeit wegen rasch auf den Ebenen des sozialen, politischen und medialen Alltagsbewußtseins angesiedelt.

Homo academicus und homo politicus

Schelskys Fähigkeit zur Verdichtung sozialer Prozesse in soziologischen Sprachformeln zeigt ein beinahe populistisch anmutendes Verständnis von breitenwirksamer Soziologie, das auf die Wahrnehmung der sozialen Realität in all ihren Segmenten abzielt.

Juni 1994

Sie haben etwa 47% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 53% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo