Ausgabe Mai 1997

Netanyahu außer Kontrolle

Benyamin Netanyahu kann es sich leisten, seine Washington-Trips zynisch zu nehmen. Zu Recht vertraut er darauf, daß sie keine großen Konsequenzen haben. Man offeriert ihm ernste Ratschläge, die er getrost ignoriert.

Präsident Clinton steht in der Schuld jüdisch-amerikanischer Wähler, aber das galt auch für einige seiner Vorgänger. Weit schwerer wiegt, daß er offenkundig über keine unabhängige Vorstellung von dem verfügt, was bei den israelisch-palästinensischen Verhandlungen – die den Namen „Friedensprozeß“ wohl nicht länger verdienen – herauskommen kann oder sollte.

Clintons Administration scheint unfähig, zu den Grundfragen des Konflikts klar Position zu beziehen. Sie unterliegt zuviel Druck von zu vielen Seiten, und jede unzweideutige Stellungnahme zieht mehr politische Minus- als Pluspunkte für das Weiße Haus, den Nationalen Sicherheitsrat und das Außenamt nach sich.

Die Grundfrage, die Netanyahu bereits beantwortet, indem er vor Ort Fakten schafft, ist die Jerusalem-Frage: Wird es eine Hauptstadt der Palästinenser, wie es auch Kapitale Israels ist? Die offizielle Position Israels hierzu lautet, Jerusalem sei die eine und ungeteilte Hauptstadt des jüdischen Staates.

Mai 1997

Sie haben etwa 64% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 36% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo