2.10. - J u g o s l a w i e n. Der Aufruf der Opposition zum Generalstreik wird in Teilen des Landes und in der Hauptstadt Belgrad befolgt. Das Personal wichtiger Industriebetriebe und öffentlicher Einrichtungen legt die Arbeit nieder, um der Forderung nach Rücktritt des noch amtierenden Präsidenten Milosevic Nackdruck zu verleihen. Einheiten von Armee und Polizei stellen sich auf die Seite der Opposition. Milosevic tritt im Staatsfernsehen auf und verlangt erneut eine zweite Runde der Präsidentenwahl (vgl. "Blätter", 11/2000, S. 1286). Die serbische Regierung warnt am 3.10. vor "subversiven Handlungen«, gegen die Organisatoren krimineller Aktivitäten würden "spezielle Maßnahmen" ergriffen. Am 5.10. findet in Belgrad ein Massenprotest gegen den "Stimmendiebstahl" bei den Wahlen vom 24. September d.J. statt. Anhänger der Opposition stürmen das Parlament und besetzen Gebäude des Staatsfernsehens. Der gewählte Präsident Kostunicu setzt sich noch einmal für einen friedlichen Machtwechsel ein. Westliche Regierungen, darunter die Bundesregierung, appellieren an Armee und Polizei in Jugoslawien, keine Gewalt anzuwenden und den Willen des Volkes zu respektieren. Der abgewählte Präsident Milosevic müsse zurücktreten. - Am 6.10.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.