Ausgabe Februar 2001

Nationaler politischer Wandel in einer sich denationalisierenden Welt

Die gegenwärtigen Prozesse der Globalisierung bzw. Denationalisierung haben politische Folgen auf mehreren Ebenen. Einerseits bilden sich neue Kanäle politischer Repräsentation und damit neue politische Einflussmöglichkeiten auf supranationaler oder transnationaler Ebene, andererseits werden die Möglichkeiten der traditionellen nationalen Politik eingeschränkt. Nationalstaatliche Politik, so ist häufig zu hören, verliert an Bedeutung und wird „von oben“ – von der supranationalen Ebene –, wie „von unten“ – von der lokalen bzw. regionalen Ebene –, bedrängt. Ich gehe im folgenden davon aus, dass nationale Politik noch für einige Zeit von zentraler Bedeutung sein wird. Meine These ist, dass die nationale politische Auseinandersetzung im Zuge der Prozesse der wirtschaftlichen, kulturellen, militärischen und politisch-administrativen Denationalisierung ihre Bedeutung nicht so schnell verlieren wird, dass sie aber als Folge der Denationalisierung selbst einer grundlegenden Umstrukturierung unterliegt. Ich konzentriere mich auf die Situation Westeuropas, wo Denationalisierung in erster Linie europäische Integration bedeutet; das hier angesprochene Phänomen scheint mir aber allgemeiner und nicht auf Europäisierung und europäische Integration beschränkt zu sein.1

Globalisierung bzw.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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