Ausgabe März 2004

Lord Huttons Waschsalon

Die letzte Januarwoche, so prophezeiten manche britische Auguren, werde für Tony Blair die schwerste seiner ganzen Regierungszeit werden. Es ist erst einmal anders gekommen: Am 27. Januar konnte die Labour-Regierung ihr Programm der zukünftigen Studien- gebühren, wenn auch nur mit lediglich fünf Stimmen Mehrheit, doch noch durchsetzen. Einen Tag später lieferte Lord Hutton seinen Untersuchungsbericht zum Tod des britischen Wissenschaftlers und Waffenexperten David Kelly ab.1 In dem Saal, in dem der Law Lord im vergangenen Sommer die Untersuchung geführt hatte, trug er in eineinhalb Stunden eine Kurzfassung seines Berichts vor, der, sanft hellblau gebunden, mit Anlagen 740 Seiten ausmacht. Die BBC übertrug den Auftritt live. Wie es sich für einen erfahrenen Richter gehört, formulierte Hutton sachlich und nüchtern; er zitierte wichtige Aussagen und zog seine Schlüsse – und alle gingen am Ende zu Lasten der BBC. Blair sprach er ganz und gar frei: Es habe keine Lügen, kein Komplott gegeben, keiner sei an Kellys Freitod schuld.

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