Die letzte Januarwoche, so prophezeiten manche britische Auguren, werde für Tony Blair die schwerste seiner ganzen Regierungszeit werden. Es ist erst einmal anders gekommen: Am 27. Januar konnte die Labour-Regierung ihr Programm der zukünftigen Studien- gebühren, wenn auch nur mit lediglich fünf Stimmen Mehrheit, doch noch durchsetzen. Einen Tag später lieferte Lord Hutton seinen Untersuchungsbericht zum Tod des britischen Wissenschaftlers und Waffenexperten David Kelly ab.1 In dem Saal, in dem der Law Lord im vergangenen Sommer die Untersuchung geführt hatte, trug er in eineinhalb Stunden eine Kurzfassung seines Berichts vor, der, sanft hellblau gebunden, mit Anlagen 740 Seiten ausmacht. Die BBC übertrug den Auftritt live. Wie es sich für einen erfahrenen Richter gehört, formulierte Hutton sachlich und nüchtern; er zitierte wichtige Aussagen und zog seine Schlüsse – und alle gingen am Ende zu Lasten der BBC. Blair sprach er ganz und gar frei: Es habe keine Lügen, kein Komplott gegeben, keiner sei an Kellys Freitod schuld.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.