Ausgabe April 2004

Marie Veit

Am 14. Februar dieses Jahres verstarb in Köln im Alter von 83 Jahren Dr. Marie Veit, viele Jahre Mitherausgeberin dieser Zeitschrift. Die Bultmann-Schülerin arbeitete nach dem Krieg zunächst als Religionslehrerin in Köln und wirkte dann von 1972 bis 1989 als Professorin für Religionsdidaktik am Fachbereich Theologie der Universität Gießen. 1968 gründete sie mit anderen in Köln das Politische Nachtgebet, jenen Versuch, gesellschaftliches Unrecht in Gottesdiensten zu bedenken. Später gehörte sie zu den Initiatorinnen der Gruppe "Christen für den Sozialismus".

Vielleicht kann man ihre theologische und politische Arbeit am besten mit dem Begriff Aufmerksamkeit charakterisieren. Schon ihre Didaktik ist eine Didaktik der Aufmerksamkeit. Und so war die erste Frage ihrer Arbeit: Wer sind die Menschen, mit denen wir in der Schule umgehen? Wo leben sie? Woran leiden sie? Welche Wünsche haben sie, und was verstümmelt ihre Wünsche? Diese Aufmerksamkeit ließ Marie Veit zu einem politischen Menschen werden.

Weder in ihrer Theologie noch in ihrer Pädagogik hat sie sich abstrakten Systemen verschrieben. Ihre Forschungssemester verbrachte sie immer an ungewöhnlichen Orten, 1978 in Paris bei der "Mission Populaire", einer Gruppe von Theologen, die unter dem Industrieproletariat arbeitet und die besonders um den Erhalt der Wohnquartiere kämpft; später in Brasilien bei den Befreiungstheologen in Sáo Leopoldo. Wie eine alte Missionarin zog sie durchs Land.

Sie haben etwa 42% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 58% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo