Ausgabe August 2005

Der Sieg der Pantoffeltierchen

Es gibt Anzeichen, dass die Außerirdischen schon unter uns sind, bei uns, in uns. Es wird erahnbar, wie sie ihre zerstörerische Wirkung zu entfalten gedenken: mit dem Mittel der Retrogradierung. Das heißt, die befallenen Erdenbewohner wachsen plötzlich rückwärts, nicht körperlich, sondern geistig, weshalb die Sache auch so lange unentdeckt bleiben konnte. Jetzt aber lässt sich der fatale Prozess bei einer Ikone der US-Weltkultur exemplarisch nachweisen.

In Steven Spielbergs neuestem Film Krieg der Welten kommt eine Entwicklung im Schaffen dieses Regisseurs zu einem vorläufigen Endpunkt, die sich an der Gestaltung der extraterrestrischen Figuren ablesen lässt: Sie ist durch den Übergang von einer nachdenklich-differenzierten (in Filmen wie E.T. oder Unheimliche Begegnung der dritten Art) zu einer naiv-infantilen Perspektive (die schon mit Jurassic Park begann) gekennzeichnet. In Krieg der Welten sind die Außerirdischen monumentale Maschinen-Saurier, die sozusagen chemisch rein das Böse verkörpern. Ohne jedes erkennbare Motiv überfallen sie die menschliche Zivilisation, das heißt in Hollywood eine amerikanische Kleinstadt, und die Bewohner sind ihnen hilflos ausgeliefert. In einigen äußerst aufwändigen Special-Effect-Szenen wird der Untergang ebenso grässlich-realistisch wie lautstark inszeniert, eine nennenswerte Verteidigung gibt es trotz einiger durchs Bild fahrender Panzerkolonnen nicht.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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