Ausgabe Januar 2006

Unter Beschuss

Macht „Bild“ gegen sich selber Reklame? Erstaunte Passanten können in diesen Tagen Slogans auf Plakatwänden und an Bushaltestellen lesen, die an die Zeit der Studentenrevolte erinnern: „Entmachtet Bild“, „Nieder mit Bild“ oder „Lest keine Bild“. Verständlich wird der Trick erst, wenn man weiter liest: Die Parole wird nicht-existierenden Organisationen zugeschrieben – mit Namen wie „Bund der korrupten Politiker“, „Bund der Doping-Sportler“, „Bund der Benzinabzocker“ usw. Ist es ein Zufall, dass die schrille Kampagne gerade jetzt die Vorweihnachtsstimmung aufstört?

Der Springer-Verlag will den TV-Konzern SAT 1/PRO 7 übernehmen, hat aber nicht damit gerechnet, dass die Behörden, die einer solchen Konzentration zustimmen müssen, einmal über den Rand ihres fachlichen Horizonts hinaus nachdenken würden. Sie nennen die Übernahme nämlich „eine Verzerrung des Wettbewerbs“, obwohl es sich um verschiedene Medien handelt. Springer als Zeitungsverleger würde im Falle einer Fusion mehrere Fernsehsender (die für sich bereits einen mächtigen Konzern bilden) übernehmen: SAT 1, PRO 7, Kabel 1 und N 24. Im Printbereich gehören zu Springer neben der „Bild“-Zeitung noch mehrere Publikums- und Programmzeitschriften; außerdem ist Springer an einigen privaten Radiostationen beteiligt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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