Ausgabe April 2006

ZDF-History-Kultur

Dresden also. Einen zweiteiligen Fernsehfilm „gegen den Krieg, für eine größere Mitmenschlichkeit“, und den Beweis, „dass in einem Bombardement auch die Liebe zwischen die Menschen findet“, versprach die ZDF-Werbung.

Ein englischer Bomberpilot, über Magdeburg abgeschossen, schlägt sich verletzt bis Dresden durch und versteckt sich in einem Krankenhaus. Die Krankenschwester Anna, eigentlich Studentin und Tochter des Chefarztes, entdeckt den Gast im Heizungskeller, und dann findet die Liebe zwischen diese beiden Mitmenschen, trotz Bauchschusses schlafen sie miteinander, und diese love story wird alles überdauern, auch das alliierte Inferno, bei dem das „Gesamtkunstwerk“ Dresden zerstört wird.

Die fiktionale Handlung, welche das Kriegsdrama dem Fernsehzuschauer „verstehenszugänglich“ machen soll, konzentriert sich auf einen Engländer (mit deutschen Vorfahren) als Hauptfigur. Damit soll der gefürchtete Effekt, „revanchistische Gelüste zu bedienen“, vermieden werden. Aber wenn die Alliierten, die die Stadt ja wohl „sinnlos zerbombt haben“ (Pfarrerdarsteller Wolfgang Stumph), nicht die Bösen sind, wer ist es dann?

Eins ist sicher: die Deutschen, die im Film vorkommen, nicht. Dieses Film-Dresden des Jahres 1945 ist erstaunlich nazifrei.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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