Ausgabe Dezember 2006

Auch AIDA wird 50

Nein, hier ist weder die Opernfigur noch eine dubiose Versicherung gemeint: AIDA war in den 60er Jahren die wissenschaftliche Formel für die Wirkungsplanung von Werbung, die Abkürzung für: attention, interest, desire und action. Seit es Werbung im (west)deutschen Fernsehen gibt, ist dieses Medium zu ihrem Hauptträger geworden, wahrscheinlich weil man nur in seinem Programmfluss die Aufmerksamkeit für Werbung mit Gewalt erzwingen kann.

Es fing am 3. November 1956 an: Der Bayerische Rundfunk strahlte in der Sendung „Zwischen halb und acht“ den ersten Werbespot aus (für Persil). Die Münchner mussten sich damals gegen den Widerstand aller übrigen Sender durchsetzen. Die Werbung ist also als eigentlich ungeliebtes Element ins Fernsehen gekommen, seitdem aber zur Basis der ökonomischen Existenz von weit mehr als der Hälfte aller Fernsehkanäle geworden.

Schon früh wurde erkannt, dass das Publikum (von ein paar Freaks abgesehen) nicht freiwillig bereit ist, sich Werbung im Fernsehen anzuschauen. Zur Überwindung dieser Renitenz wurden die Programme durch Spots unterbrochen, was bei bestimmten Sendeformen, insbesondere Serien, schon im Drehbuch berücksichtigt wird. Ein cliffhanger unterbrach die Handlung an einer Stelle, wo es besonders spannend war, damit die Werbung ein Interesse ausbeuten kann, das gar nicht ihr gilt. Deswegen kommt dem bald so genannten „Werbeumfeld“ eine besondere Funktion zu.

Sie haben etwa 34% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 66% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo