Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapital vs. Klima, S. 43-57

Am 22. März hielt die kanadische Publizistin Naomi Klein die diesjährige Democracy Lecture der „Blätter“. Im Vorfeld der Weltklimakonferenz am Ende dieses Jahres in Paris plädiert sie dafür, den Kampf für Klimagerechtigkeit mit dem Kampf gegen den globalen Kapitalismus und seine fatale Wachstumsideologie zu verbinden. Nur dann bestehe Hoffnung, zumindest die schwerwiegendsten Folgen des Klimawandels noch zu verhindern.

Alice Goffman: Feindbild Ghetto. Wie der amerikanische »War on Crime« Rassismus produziert, S. 58-66

Spätestens seit den jüngsten tödlichen Schüssen weißer Polizeibeamter auf schwarze Männer ist der Rassismus in den USA auch hierzulande ein Thema. Alice Goffman, Professorin für Soziologie in Wisconsin, zeichnet vor diesem Hintergrund ein dramatisches Bild der amerikanischen „Ghettos“. Faktisch herrschten in diesen repressive Regime, die schwarze Amerikaner allein aufgrund ihrer Hautfarbe kriminalisieren und ihrer grundlegenden Bürgerrechte berauben.

Werner Rügemer: Union Busting: Die Zerschlagung der Gewerkschaften, S. 67-76

Die professionelle Bekämpfung der Gewerkschaften gehört in den USA seit mehr als 150 Jahren zum Repertoire unternehmerischer Dienstleistungen. Anlässlich der Verhandlungen um das Freihandelsabkommen TTIP unterzieht der Publizist Werner Rügemer die Branche der Union Buster einer genauen Betrachtung. Er warnt: Auch deutsche und europäische Arbeitnehmer sind nicht vor deren gewerkschaftsfeindlichen Praktiken geschützt. Sich des Union Busting zu erwehren, ist daher eine der drängendsten Herausforderungen für die globale Gewerkschaftsbewegung.

Stefan Selke: Lifelogging oder: Der fehlerhafte Mensch, S. 79-86

Sei es das Monitoring der Gesundheit, die Standorterfassung von Angestellten oder die Messung der eigenen Gefühlslage – in immer mehr Lebensbereichen überwachen sich Menschen mit Hilfe digitaler Apps selbst, um das als fehlerhaft wahrgenommene Selbst zu optimieren. Der Soziologe Stefan Selke geht diesem Trend zur Selbstvermessung auf den Grund. Seine Befürchtung: Umso mehr die Menschen ihr Leben Algorithmen unterwerfen, desto stärker entwickelt sich das Lifelogging zum Organisationsprinzip des Sozialen und bringt so gänzlich neue Formen von Diskriminierung hervor.

Egon Bahr: Kooperative Existenz. Für eine Verantwortungspartnerschaft mit Moskau und Washington, S. 87-96

Die gegenwärtigen Krisen verlangen nach völlig neuen Antworten. Der ehemalige Bundesminister und Architekt der Brandtschen Entspannungspolitik, Egon Bahr (SPD), fragt nach der zukünftigen geopolitischen Rollenverteilung. Er plädiert dafür, dass sich Deutschland und Europa von den USA emanzipieren, ohne die transatlantische Zusammenarbeit aufzukündigen, und gleichzeitig die Partnerschaft mit Russland wieder aufnehmen.

William Pfaff: Arabisches Inferno. Der Westen und der Mittlere Osten, S. 97-105

Seit dem Ende des Osmanischen Reichs im Gefolge des Ersten Weltkriegs steckt der arabisch-islamische Raum in einer tiefen Krise. Deren jüngster Ausdruck ist der gewaltsame Aufstieg des „Islamischen Staats“. Der amerikanische Publizist William Pfaff interpretiert diese Krise als Folge gescheiterter westlicher Interventionen und warnt zugleich vor einem neuerlichen Eingreifen des Westens. Die regionalen Konflikte ließen sich nur von innen heraus, durch die arabischen Gesellschaften selbst, überwinden.

Norman Paech: Vom ewigen Krieg: Wozu taugt das Völkerrecht?, S. 107-113

Der Konflikt um die Ukraine wie auch die weltweit steigende Zahl an Kriegen belegen vor allem eins: die Ohnmacht des Völkerrechts. Für dessen Scheitern sind jedoch nicht die Regeln und Institutionen selbst, sondern die Staaten verantwortlich, die das Völkerrecht geschaffen haben und dennoch ihren Friedenswillen verweigern, so der Jurist Norman Paech. Demgegenüber gilt es, das Primat des Völkerrechts entschieden zu verteidigen und nicht zuletzt auch seine Urheber an dessen Geltung zu erinnern.

Günter Grass: Gewalttätigkeit ist wieder gesellschaftsfähig, S. 115-120

Am 13. April d. J. starb der Schriftsteller Günter Grass. Aus diesem Anlass dokumentieren wir Auszüge seiner Rede zum 1. Mai 1968, die Grass in Hildesheim hielt. Darin kritisiert er, nur wenige Tage nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke am 11. April 1968, die zunehmende Gewalt in der politischen Auseinandersetzung und plädiert für eine Hinwendung der SPD zur Studentenbewegung.

(aus: »Blätter« 5/2015, Seite 40-41)

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