Ausgabe November 2015

Im Endspielmodus

Siegt sich der Kapitalismus tatsächlich zu Tode?

In einem glänzenden Essay, der im Frühjahr dieses Jahres in zwei Folgen in den „Blättern“ erschien,[1] analysiert Wolfgang Streeck die Entwicklung des Kapitalismus seit der Mitte der 1970er Jahre und wagt eine Prognose über den weiteren Lauf der Dinge. Die Verflechtung dreier Langzeittrends – Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums, Anstieg der Gesamtverschuldung, zunehmende Ungleichheit der Einkommen und Vermögen – weise schon rein ökonomisch in die Richtung einer chronisch werdenden Krise der Kapitalakkumulation. Vermeintliche Auswege wie die Politik der unbegrenzten Geldversorgung oder der Prozess der Finanzialisierung verschärften die Krise in Wahrheit nur, indem sie sie teils, und ohne echten Lösungsansatz, vertagten, teils bloß in andere Sektoren exportierten – mit wachsendem Crashpotential. Platzende Blasen wie die der New Economy zur Jahrhundertwende oder des Hypothekenmarkts ab 2008 mit nachfolgender Beinahe-Kernschmelze des globalen Finanzsystems hätten kein Umsteuern bewirkt. Zu verzeichnen sei vielmehr forciertes Weitermachen in ökonomischer und politischer Hinsicht, zuzüglich einer fortschreitenden Entdemokratisierung gesellschaftlich höchst relevanter Entscheidungsprozesse.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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