Ausgabe Oktober 2015

Sozialismus reloaded – und revidiert

Die Idee des Sozialismus ist ein geistiges Kind der kapitalistischen Industrialisierung, doch schon seit langem ist es irreführend, im Sozialismus nur den intellektuellen Ausdruck der Belange der industriellen Arbeiterschaft oder gar das Sprachrohr eines immer schon revolutionären Proletariats zu erblicken. Diese Idee einer fixen Bindung der Theorie an eine einzige Gruppe war zu Beginn der Bewegung das Ergebnis einer fadenscheinigen Zurechnung von objektiven Interessen und ist seither sowohl durch den Strukturwandel der Beschäftigungsverhältnisse als auch durch die Auflösung der Arbeiterbewegung erkennbar widerlegt worden. Ihr nostalgisch hinterherzutrauern und sich verzweifelt um ihre künstliche Wiederbelebung zu bemühen, wäre schon deswegen falsch, weil auch die unausweichliche Frage der sozialen Trägerschaft von einem revidierten Sozialismus grundsätzlich anders, nämlich auf einer höheren Ebene der Abstraktion, beantwortet werden muss.

Heute kommt es darauf an, den Sozialismus von den Schlacken seines im 19. Jahrhundert wurzelnden Denkgehäuses zu befreien, um ihm eine unserer Gegenwart gemäße Gestalt zu verleihen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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