Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

James W. Carden und Michael J. Brenner: Clinton vs. Trump: Das kleinere Übel?, S. 41-49

Im US-Vorwahlkampf stößt Donald Trump inzwischen selbst bei Neokonservativen auf Ablehnung. Grund dafür sind aber nicht seine rassistischen Äußerungen, so der Journalist James W. Carden, sondern seine Kritik an Militärinterventionen. So könnten überzeugte Neocons jetzt zu Hillary Clinton wechseln. Denn die Demokraten sind ohnehin seit langem orientierungslos, analysiert der Politikwissenschaftler Michael J. Brenner.

Anne-Marie Slaughter: Der Preis der Mutterschaft. Warum so wenige Frauen ganz oben und viel zu viele ganz unten sind, S. 51-61

Seit Jahrzehnten wird für mehr Gleichberechtigung in Wirtschaft und Politik geworben. Dennoch sind Spitzenpositionen überwiegend mit Männern besetzt, während sich in prekären Arbeitsverhältnissen vor allem Frauen finden. Die Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Slaughter identifiziert das bis heute größte Armutsrisiko – die Mutterschaft. Dagegen plädiert sie für eine neue Wertschätzung der Fürsorge, damit Familie und Beruf endlich vereinbar werden.

Jan-Werner Müller: Schatten der Repräsentation: Der Aufstieg des Populismus, S. 63-74

Ob in Frankreich oder den USA, in Polen oder Deutschland: Die populistischen Bewegungen wachsen. Diese reagieren, so der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller auf eine Krise der Repräsentation. Darauf aber kann nicht mit einem Populismus von links geantwortet werden, sondern mit einem Plädoyer für ein demokratisches und nichtpopulistisches Europa.

Frank Überall: Fünfte versus Vierte Gewalt: Journalismus unter Beschuss, S. 75-82

Derweil AfD und Pegida gegen die „Lügenpresse“ zu Felde ziehen, hat die Gewalt gegen Journalisten in Deutschland massiv zugenommen. Der neue Bundesvorsitzende des Deutschen-Journalisten-Verbands, Frank Überall, sieht die Vierte Gewalt der klassischen Medien in massiver Gefahr – durch eine sich immer mehr radikalisierende Fünfte Gewalt der neuen zunehmend „asozialen“ Netzwerke. Um die Demokratie zu schützen, müsse die Politik die gefährdete Unabhängigkeit der Medien daher dringend verteidigen – und von den Hetzern und Pöblern unterscheidbar machen.

Martin Koch und Lars Niggemeyer: Der Flüchtling als Humankapital. Wider die neoliberale Integrationslogik, S. 83-89

In der Debatte um den ökonomischen Nutzen oder Nachteil von Flucht und Migration stehen sich Optimisten und Pessimisten scharf gegenüber. Die Sozialwissenschaftler Martin Koch und Lars Niggemeyer vertreten dagegen eine differenziertere Position: Angesichts der weiter existierenden, bloß kaschierten hohen Sockelarbeitslosigkeit muss Integration unter neoliberalen Vorzeichen misslingen. Nur bei einer weitreichenden Umverteilung von Arbeit bieten sich reelle Chancen – und zwar für alle.

Marcel Fratzscher: Republik ohne Chancengleichheit: Deutschland am Wendepunkt, S. 91-100

Nachdem Verteilungsfragen lange Zeit als überholt galten, erfahren sie nicht zuletzt seit Thomas Piketty eine neue Konjunktur. Der Ökonom Marcel Fratzscher kritisiert die mangelnde Chancengleichheit sowie die höchst ungleiche Vermögens- und Einkommensverteilung in Deutschland. Er ist überzeugt: Eine Verringerung dieser Ungleichheiten nützt uns allen – sie ist gerechter, effizienter, und hilft letztlich auch bei der Integration von Flüchtlingen.

Evi Hartmann: Wir Sklavenhalter, Teil II. Wie viele Sklaven halten Sie – und wie lange noch?, S. 101-110

Wir alle sind uns einig: Sklaverei gehört abgeschafft – und trotzdem tun wir es nicht. Im zweiten Teil ihrer Analyse fragt die Ökonomin Evi Hartmann, wieso wir solche Verhältnisse zulassen – und damit selber Sklaven halten. Wir sind darauf sozialisiert, so ihre Argumentation, unsere Gefühle zu verdrängen, wodurch der Moral die Basis entzogen wird. Nur wenn wir uns selbst und anderen immer wieder die Empathiefrage stellen, hat moralisches Verhalten eine Chance.

Christian Füller: Macht und Missbrauch. Wie die Ideologie der Eliten die pädosexuellen Täter deckt, S. 111-119

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Kindesmissbrauchsfälle ans Licht gekommen. Doch vollständig – und in ihrer ganzen Tiefe – aufgeklärt wurden sie bis heute nicht. Der Journalist und Autor Christian Füller stellt die Frage, wie an sehr unterschiedlichen weltlichen und geistlichen Institutionen ganz ähnliche Missbrauchsstrukturen entstehen konnten. Sein Fazit: Gerade elitäre pädagogische Ideologien sowie die Doppelmoral der Täter ermöglichen sexualisierte Gewalt und die Vertuschung der Taten.

(aus: »Blätter« 4/2016, Seite 39-40)

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