Ausgabe Juni 2016

Einfluss ohne Grenzen: Die neuen globalen Schatteneliten

Den Reichen dieser Welt wird Steuervermeidung leicht gemacht. Das jedenfalls ist eine Erkenntnis aus den spektakulären Enthüllungen der sogenannten Panama Papers.[1] Sie verdeutlichen aber noch mehr: Wer wohlhabend ist, kann sich in den Steuerparadiesen nicht nur der Pflicht entziehen, Abgaben zu zahlen – er verweigert sich damit auch mühelos Gesetzen und stellt sich über die Rechtsordnung. Die Nutzer von Steueroasen und Schatteneliten sind zwar nicht identisch, dennoch verweisen die Panama Papers auf ein grundlegenderes Phänomen.

Durch die Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte haben sich neuartige Einflusseliten herausgebildet.[2] Sie halten sich an ein Erfolgsrezept, das ebenso neu ist: Sie üben ihre Herrschaft vor allem durch informelle und flexible Mittel aus, die den Radar öffentlicher Aufmerksamkeit unterlaufen. Sie sind weniger sichtbar, weniger stabil, aber beweglicher als ihre Vorläufer – und sie haben eine globale Reichweite. Ihre Praktiken entziehen sich konventionellen demokratischen Kontrollmechanismen. Zumindest auf einigen globalen Schauplätzen und besonders in den westlichen Demokratien mischen sie allenthalben mit: in der Energieversorgung wie im Gesundheitswesen, in der Finanzindustrie wie in der Außenpolitik.

So beeinflussen diese Eliten heutzutage viele Entscheidungen von weltweiter Bedeutung – und das mit einschneidenden Folgen.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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