Ausgabe November 2016

»Wir sind das Volk«: Vom Freiheitsruf zur Hassparole

Es waren gruselige Bilder, die uns per TV von den Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit des Jahres 2016 aus Dresden erreichten. „Besorgte Bürger“ brüllten gegen die Repräsentanten des demokratischen Deutschlands an: „Volksverräter“ und „Wir sind das Volk!“. Steht dieses „Wir-sind-das-Volk“ also inzwischen auch dafür, wie in Clausnitz, in Freital oder Bautzen die Würde oder gar die körperliche Unversehrtheit von Flüchtlingen verletzt werden?

Nein, das Gebrüll der Demonstranten ist eine feindliche Übernahme eines freiheitlichen Erbes, das heute aktueller ist denn je. Wir sind das Volk: Dieser Satz steht für die friedliche Revolution gegen das SED-Regime, für Freiheit und Toleranz, und für den Fall der Mauer am 9. November 1989, nach 40 Jahren deutscher Teilung.

Damals richtete sich der Satz gegen die Mächtigen an der Spitze des Staates und forderte grundlegende Dialoge ein, zur Abschaffung der Diktatur. Wo diese Freiheitsparole heute nachgebrüllt wird, da richtet sie sich gegen die Schwächsten, die Hilfsbedürftigen und Heimatlosen.

Derart gespenstischen Ansammlungen – ausgerechnet in Dresden – ist unmissverständlich zu erwidern: „Ihr seid nicht das Volk! Ihr seid eine kleine, wenn auch gespenstische Minderheit! Und wenn ihr noch so laut brüllt.

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