Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Dieter Senghaas: Von Donald Trump bis Xi Jinping: Der neue Kampf innerhalb der Kulturen, S. 35-44

Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts gibt es keine klar unterscheidbare, bipolare Welt- und Werteordnung mehr. Stattdessen werden heute die dominanten Werteorientierungen innerhalb einzelner Gesellschaften neu ausgefochten. Der Sozialwissenschaftler und Friedensforscher Dieter Senghaas analysiert diesen „clash within civilisations“ – den Zusammenprall von pro- und anti-westlichen Vorstellungen in autokratischen Ländern wie China, Russland und der Türkei, aber auch in der EU und in den USA. Stärker als je zuvor stehe damit die globale Dominanz westlicher Ideale infrage.

Andrew Cockburn: Schuld und Sühne. 9/11 und die Saudi-Connection, S. 45-59

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist die Rolle Saudi-Arabiens als wichtigster Förderer terroristischer Netzwerke immer schwerer zu leugnen. Und dennoch ist das Verhältnis zwischen Washington und Riad auch unter Donald Trump ungebrochen gut. Der Journalist Andrew Cockburn zeigt, warum die US-Regierung offensichtlich gar kein Interesse an der weiteren Aufklärung von 9/11 hat – und schon gar nicht an potentiellen juristischen oder wirtschaftspolitischen Konsequenzen.

Ines Kappert: Harvey Weinstein oder das System sexualisierter Gewalt, S. 61-66

Seit Bekanntwerden der jahrzehntelangen sexuellen Übergriffe durch den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein solidarisieren sich weltweit tausende Frauen unter dem Schlagwort #metoo gegen sexualisierte Gewalt. Ines Kappert, Leiterin des Gunda-Werner-Instituts, fragt nach der Wirkmächtigkeit der aktuellen Sexismusdebatte. Ihr Befund: Die Diskussion hat das Potential, die Ursachen männlicher Gewalt langfristig zu bekämpfen: eine „Kultur der Vergewaltigung“, die auch vor vermeintlich aufgeklärten Linksliberalen nicht haltmacht.

Georg Spoo: Wie weiter gegen Rechts? Der Erfolg der AfD und die Strategien der Linken, S. 67-76

Bei der Analyse der Wahlergebnisse der AfD herrscht in der gesamten Linken Uneinigkeit. Doch für eine linke Gegenstrategie ist eine genaue Kenntnis des politischen Gegners und der Gründe für dessen Erfolg unentbehrlich. Der Philosoph Georg Spoo bringt die teils konkurrierenden Erklärungsansätze zusammen. Gegen die konformistische Rebellion der AfD plädiert er für eine Repolitisierung des Ökonomischen und fordert, über den geeigneten Weg dahin – zwischen utopischer Veränderungsperspektive und linker Realpolitik – offensiv und öffentlich zu diskutieren.

Winfried Wolf: Mobilität ohne Auto. Plädoyer für eine umfassende Verkehrswende, S. 77-86

Ob Dieselgate oder Kartellabsprache: Die Krise der deutschen Automobilindustrie ist unübersehbar. Von den unbedingt erforderlichen Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen kann dagegen weiter keine Rede sein. Der Journalist Winfried Wolf beschreibt, wie eine umwelt- und gesundheitsfreundlichere Verkehrspolitik aussehen müsste. Statt der Verbreitung von Elektroautos sollte die Macht der Lobbyisten gebrochen und eine grundlegende Verkehrswende eingeleitet werden.

Bitcoin: Der gefährliche Hype: Mit Beiträgen von Rudolf Hickel und Daniel Leisegang, S. 87-94

Die Digitalisierung hat längst auch das Geld erfasst. In vielen Ländern ist Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert, als Anlagemöglichkeit ist sie ohnehin global verbreitet. Die virtuelle Währung existiert dabei losgelöst von sämtlichen staatlichen Instanzen und wirbt mit Anonymität sowie günstigen Transaktionskosten. Doch gerade in der anti-staatlichen Ideologie liegen erhebliche Gefahren, so „Blätter“-Mitherausgeber Rudolf Hickel und „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang: Die digitale Währung hat die Bildung einer oligarchische Elite begünstigt, die den Kursverlauf nach Belieben manipulieren kann.

Fabian Scheidler: Der digitalisierte Mensch: Unser Leben in der Matrix, S. 95-104

Im Zeitalter des digitalen Kapitalismus bestimmen technische Geräte immer stärker unsere Realität. Die negativen Auswirkungen – von gesundheitlichen Schäden über die Einschränkung der persönlichen Freiheit bis hin zu massiver Umweltzerstörung – treten dabei in den Hintergrund. Der Publizist Fabian Scheidler zeigt, dass sich die technologische Revolution allein nach den Interessen von Unternehmen richtet – und nicht nach den Bedürfnissen der Konsumenten. Sein Fazit: Technische Innovationen müssen endlich wieder fester Bestandteil kritischer Gesellschaftsanalyse werden. 

(aus: »Blätter« 12/2017, Seite 33-34)

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