Ausgabe Dezember 2017

Von Donald Trump bis Xi Jinping: Der neue Kampf innerhalb der Kulturen

Bild: Public Domain

Zwei Persönlichkeiten prägten in besonderer Weise dieses ganz besondere Jahr 2017: am Anfang Donald Trump, am Ende Xi Jinping. Wir scheinen Zeugen des Entstehens einer neuen geopolitischen Formation zu sein: Während die USA unter Donald Trump internationalen Führungs- und Gestaltungsansprüchen weitgehend eine Absage erteilen, steht auf der anderen Seite der Aufstieg eines selbstbewusst agierenden autoritären „Sozialismus chinesischer Prägung“. Auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) 2017 wurde nicht nur Staatspräsident Xi Jinping formell auf eine Stufe mit Mao gestellt und sein „Gedankengut“ in der Parteiverfassung verankert; Xi selbst formulierte nachdrücklich den Anspruch Chinas, bis zur Mitte des Jahrhunderts eine globale Führungsrolle einzunehmen.

Sind wir damit auch Zeugen einer neuen geokulturellen Entwicklung? Und wie sollte sich Europa in diesem neuen Spannungsfeld positionieren?

Zur Zeit des alten Ost-West-Konflikts, vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des sowjetischen Imperiums, hätten schon allein diese Fragen keinen Sinn ergeben. Europa war in jeder Hinsicht – also geopolitisch, geoökonomisch und geokulturell – im Zentrum eines Weltkonflikts positioniert und extrem exponiert: zweigeteilt auf beide Lager und ohne nennenswerte Grauzone.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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