Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Johannes Hillje: Propaganda 4.0 – Die Erfolgsstrategie der AfD, S. 49-54

Mit der AfD ist zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei ins Parlament eingezogen. Ihre mediale Selbstinszenierung als Opfer der sogenannten Lügenpresse hat wesentlich zu diesem dramatischen Ergebnis beigetragen, so der Politikberater Johannes Hillje. Umso dringlicher stellt sich nun die Frage, wie ein kritischer Umgang mit Vertretern der AfD in den Medien aussehen kann, der der Partei nicht weiter Auftrieb verschafft.

Arlie Russell Hochschild: Weiß und stolz und abgehängt. Donald Trump und der Südstaaten-Rassismus, S. 55-67

Der US-Rassismus, das haben zuletzt die Ereignisse von Charlottesville gezeigt, ist im Süden des Landes ganz besonders stark verankert. Die Ursache dafür sieht die Soziologin Arlie Russell Hochschild in der Tiefengeschichte: der historischen Erfahrung armer Weißer aus den Südstaaten, in der Warteschlange zum amerikanischen Traum ganz hinten zu stehen. Indem sie Donald Trump unterstützen, streben sie nach der Befreiung von einer seit Generationen empfundenen Benachteiligung und Bevormundung durch den liberalen Norden.

Erik Olin Wright: Untergraben wir den Kapitalismus! Wie die Linke
utopisch und realistisch zugleich sein kann, S. 68-78

Der globalisierte Kapitalismus lässt sich kaum noch durch Reformen bändigen. Auch seine revolutionäre Überwindung ist nicht in Sicht. Dennoch bleibt eine ökonomische Alternative möglich, argumentiert der Soziologe Erik Olin Wright. Eine reale Utopie wie die Kombination aus nichtkapitalistischen Produktionsformen, staatlich gesicherter Infrastruktur und bedingungslosem Grundeinkommen könnte den Kapitalismus nach und nach untergraben – und wäre damit eine Alternative zum Kapitalismus im Kapitalismus.

Gerd Koenen: Das rote Jahrhundert. Von der Oktoberrevolution zum Weltkommunismus, S. 79-90

Nach der russischen Revolution von 1917 gab sich die Kommunistische Internationale einen weltweiten Geltungsanspruch. Der rote Stern sollte von Moskau als Hoffnungszeichen für die Proletarier aller Länder gelten. Die beiden Garantiemächte des globalen Kommunismus – die Sowjetunion und später China – trugen diese Bewegung über einen Großteil des 20. Jahrhunderts. Diese ist inzwischen erlahmt, prägt aber, so der Historiker Gerd Koenen, bis heute die chinesische Politik: In Peking verbinden sich maoistische Kontrolltechniken mühelos mit kapitalistischer Unternehmensführung – zu einem späten Triumph des Kommunismus im realexistierenden Kapitalismus.

Uwe Hoering: Auf dem Weg zum Wirtschaftsimperium: Chinas neue Seidenstraße, S. 91-100

Mit großer Energie arbeitet China an der Wiedergeburt der legendären Seidenstraße. Das Mammutprojekt soll dem Handel zwischen Asien, Afrika und Europa neuen Schwung verleihen. Doch steht die neue Seidenstraße nicht nur für wirtschaftliche Zusammenarbeit, so der Journalist Uwe Hoering. Vielmehr will Peking der Volksrepublik zu alter Größe verhelfen und strebt erkennbar nach geopolitischer Dominanz.

Matthias Becker: Industrie 4.0: Die Automatisierung der Ausbeutung, S. 101-107

Das Schlagwort „Industrie 4.0“ ist derzeit in aller Munde. Diese neue Form der Hightech-Produktion prägt bereits den Arbeitsalltag in jeder Lidl-Filiale: Vernetzte Maschinen übernehmen mehr und mehr Managementaufgaben und steigern so die Ausbeutung der Mitarbeiter. Doch obwohl gerade geringqualifizierte Beschäftigte dadurch zunehmend austauschbar werden, handelt es sich keineswegs um eine neue industrielle Revolution, so der Journalist Matthias Becker. Vielmehr treibt die „späte Digitalisierung“ die computergestützte Rationalisierung nur weiter auf die Spitze.

Marvin Oppong: Der Journalist als Gefährder. Wie der deutsche Staat die Pressefreiheit aufweicht, S. 109-116

Der rechtswidrige Ausschluss von 32 Journalisten vom Pressezentrum des G20-Gipfels in Hamburg hat hierzulande zu Recht für Aufsehen gesorgt. Doch der Druck auf die Pressefreiheit wächst in Deutschland seit Jahren, so der Journalist Marvin Oppong. So wurde nicht nur der Zugang der Presse zu Behördeninformationen erschwert, sondern es wurden auch Redaktionsräume durchsucht und Journalisten überwacht. Das aber hat fatale Folgen für die Demokratie – eine Kehrtwende ist daher dringend geboten.

(aus: »Blätter« 10/2017, Seite 47-48)

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