Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Tobias Debiel: Scherben einer Freundschaft. Wie sich die EU in Trump-Zeiten aufstellen muss, S. 41-49

Die USA haben sich als globale Ordnungsmacht diskreditiert. Ihre Angriffe gegen internationale Verträge und Organisationen läuten eine neue Ära ein, in der Europa dringend gefordert ist, die liberale Weltordnung zu bewahren, so der Politikwissenschaftler Tobias Debiel. Er plädiert für mehr europäische Entschlossenheit zu neuen internationalen Allianzen und für mehr Vertrauen in die eigenen liberalen Grundüberzeugungen. 

Stephan Schulmeister: Das Richtige im Falschen: Verteidigen wir den Euro!, S. 51-62

Das Beispiel Italien zeigt: Linke und rechte Populisten ziehen zunehmend an einem Strang bei ihrer nationalistischen Ablehnung der EU wie des Euro. Diese Kritik, so der Ökonom Stephan Schulmeister, verwechselt jedoch die Währung mit neoliberaler Geldpolitik. Statt über den Euro und „mehr“ oder „weniger“ Europa zu diskutieren, komme es darauf an, die Dominanz der neoliberalen Weltanschauung zu durchbrechen.  

Katika Kühnreich: Soziale Kontrolle 4.0? Chinas Social Credit Systems, S. 63-70

Weitgehend unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit errichtet die Kommunistische Partei Chinas derzeit ein umfassendes System sozialer Kontrolle, so die Politikwissenschaftlerin und Sinologin Katika Kühnreich. Die Social Credit Systems bewerten und sanktionieren die Chinesinnen und Chinesen entsprechend ihres Sozial- und Kaufverhaltens. Im Westen lösen diese Pläne zumeist Befremden aus – dabei ähneln sich die Formen der Ausspähung und Kontrolle hier wie dort. 

Manfred Quiring: Der Westen als Feindbild: Wie Russland Politik betreibt, S. 71-76 

Die Außenpolitik Donald Trumps sorgt für eine bedrohliche Polarisierung der internationalen Ordnung. Der neue scharfe Wind aus den USA ist aber kein Grund für einen weniger kritischen Blick gegenüber anderen Großmächten, mahnt der Russland-Experte Manfred Quiring. Er analysiert, wie Russland seit Jahren mit dem Feindbild „des Westens“ seine Militarisierung vorantreibt. Bei der Suche nach Verständigung dürfe weder das US-amerikanische noch das russische Freund-Feind-Denken aus dem Blick geraten. 

Laurie Penny: »Die soll an Schwänzen ersticken!« Hass und Frauenverachtung im Internet, S. 77-89

Frauenfeindlichkeit und Sexismus gab es bereits im analogen Zeitalter. Heute jedoch werden Frauen im Internet noch massiver beleidigt und bedroht als zuvor. Aber nicht das Netz selbst ist ein Problem, so die feministische Autorin und Aktivistin Laurie Penny. Vielmehr sind es nach wie vor Männer, die dort ihren Frauenhass ausbreiten. Das Netz macht es ihnen nur leichter, ihre Verachtung zu artikulieren – es ermöglicht aber auch, dagegen zu halten.  

Naika Foroutan und Daniel Kubiak: Ausschluss und Abwertung: Was Muslime und Ostdeutsche verbindet, S. 93-102

Die deutsche Gesellschaft erlebt derzeit hoch aufgeladene identitätspolitische Debatten, bei denen sich Muslime und Ostdeutsche oft gegenüber stehen. Dabei erfahren gerade diese beiden Gruppen ähnliche stereotype Diskriminierung, so die Sozialwissenschaftler Naika Foroutan und Daniel Kubiak. Beide reagieren darauf mit einer Identitätspolitik, die ausgrenzend sein kann. Richtig verstanden, ermögliche sie es aber auch, gemeinsam für Gleichbehandlung und Teilhabe zu streiten.  

Bernd Giese: Gene Drives: Die Revolutionierung der Gentechnik, S. 103-112

Gene Drives gelten als die Hoffnungsträger der Gentechnik. Dahinter verbergen sich gentechnische Konstruktionen, mit deren Hilfe Gene bei der Vererbung mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit weitergegeben werden. Doch während die Anwendung dieser Technik bereits intensiv vorbereitet wird, so die Kritik des Risikoforschers Bernd Giese, fehlt bisher jegliche öffentliche Debatte. Diese aber sei dringend nötig, denn derartige Eingriffe in die Natur drohen ganze Ökosysteme zu zerstören.

Steffen Vogel: Welterfahrung und Weltzerstörung. Tourismus in Zeiten des Klimawandels, S. 113-120

Spätestens mit dem globalen Flugverkehr ist das Reisen demokratisiert worden. Diese massive Ausweitung des Massentourismus verschärft jedoch die Klimakrise – vor allem zu Lasten jener Bewohner des globalen Südens, die selbst nicht reisen können. Daher, so „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel, muss sich das Reisen radikal ändern. Er plädiert für ein „Slow Travelling“, das der Beschleunigung von Lebens- und Arbeitswelt einen anderen Umgang mit Raum und Zeit entgegensetzt.

(aus: »Blätter« 7/2018, Seite 39-40)

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