Ausgabe November 2018

Kurzgefasst

Christopher R. Browning: Weimar in Washington: Die Totengräber der Demokratie, S. 41-50.

Unter Donald Trump geraten die demokratischen Institutionen der USA massiv unter Druck. Dennoch halten die Republikaner an dem Präsidenten fest. Darin zeigt sich eine von mehreren beunruhigenden Parallelen zur Zwischenkriegszeit in Europa, so der Historiker Christopher R. Browning. Allerdings besteht zugleich ein wesentlicher Unterschied zwischen damals und heute: Politiker wie Trump stehen nicht für die offene Diktatur, sondern vielmehr für eine schleichende Aushöhlung der Demokratie.

Jens Hacke: Liberal sein oder nicht sein: Die Existenzkrise der Republik, S. 51-64.

Weltweit befindet sich die liberale Demokratie in einer Existenzkrise, illiberale Kräfte sind auf dem Vormarsch. Die Demokratie muss daher wieder verteidigt werden. Die Debatten der Weimarer Republik bieten hier wichtige Lehren, argumentiert der Politikwissenschaftler Jens Hacke. Sie schärfen nicht zuletzt das Bewusstsein für die Notwendigkeit demokratischer Institutionen und Lebensformen.

Chimamanda Ngozi Adichie: »Es ist Zeit für Mut«. Was uns Literatur heute lehren kann, S. 67-72. 

Männer wollen Frauen kontrollieren – auch in der vermeintlich liberalen Literaturwelt. Dagegen gilt es, mutig die Stimme zu erheben. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie plädiert dafür, unser Verständnis von Literatur weiter zu fassen als gemeinhin üblich: Diese muss die Vielfalt gerade jener Stimmen aufnehmen, die wenig Gehör finden, und damit insbesondere die Erfahrungen von Frauen sichtbarer machen.

Jürgen Trittin: Ordnungsmacht Europa: Für eine wertebasierte Realpolitik, S. 73-81.

Nach dem Ende des Kalten Krieges hofften viele auf Abrüstung und Frieden. Doch davon ist wenig geblieben: Die internationale Gemeinschaft rüstet dieser Tage wieder massiv auf, darunter auch die Bundesrepublik, kritisiert der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Nur mit einer wertebasierten Realpolitik, die auf multilaterale Institutionen setzt, kann hier eine Kehrtwende gelingen, können internationale Konflikte beigelegt und kann ein Ausweg aus der gefährlichen Rüstungsspirale gefunden werden.

Kristin Helberg: Syrien als Beute: Der Wiederaufbau einer Diktatur, S. 83-92.

Der Krieg in Syrien scheint militärisch entschieden. Doch statt Frieden herrscht heute Grabesruhe: Assads repressives Regime bleibt an der Macht, während seine Verbündeten – Russland und Iran sowie interne Kräfte – das Land unter sich aufteilen. Der Wiederaufbau avanciert dabei zum zentralen Herrschaftsinstrument, warnt die Journalistin Kristin Helberg. Assad wird ihn nutzen, um Regimetreue zu belohnen und Gegner zu bestrafen. 

Anthony Barnett: Großbritannien vor dem Zerfall: Der Brexit als englischer Sonderweg?, S. 93-98.

Im kommenden März will Großbritannien die EU verlassen. Doch die Verhandlungen gestalten sich weiter schwierig. Das aber liegt nicht zuletzt an einer fehlenden Debatte im Land selbst, analysiert der Publizist Anthony Barnett. Aus diesem Grund gerät ein wesentlicher Faktor in der Brexit-Debatte aus dem Fokus: der zunehmende englische Nationalismus, der am Ende gar das Vereinigte Königreich zu spalten droht. 

Shoshana Zuboff: Der dressierte Mensch. Die Tyrannei des Überwachungskapitalismus, S.101-111.

Einst verhieß das Internet mehr Freiheit und Gleichheit. Doch der digitale Traum ist längst einem gefräßigen kommerziellen Projekt gewichen: dem Überwachungskapitalismus. Dieser nährt sich aus jenem Rohstoff, den Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon ihren Nutzern entlocken: der persönlichen Erfahrungswelt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff legt die Funktionsweise dieses Systems offen und warnt eindringlich vor einer neuen Form der manipulativen Tyrannei.

Arno Brandt und Dieter Läpple: Smart City oder: Die Stadt der Konzerne? S. 113-120.

Geht es nach den großen Technologie- und Internetkonzernen ist die Smart City die Stadt der Zukunft. Ihr Effizienzversprechen sorgt schon heute für eine große kommunale Nachfrage. Jedoch bricht die Smart City mit der Idee einer offenen Stadt, warnen der Regionalberater Arno Brandt und der Stadtforscher Dieter Läpple. Beispiele wie Barcelona zeigen dagegen, wie Städte den digitalen Wandel meistern und dabei Partizipation und Freiräume nicht nur bewahren, sondern sogar stärken können.

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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