Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

John Lanchester: Die große Wut: Zehn Jahre Finanzkrise, S. 35-44

Zehn Jahre sind vergangen, seit die Finanzkrise die Welt erschütterte. Doch geändert hat sich wenig, bilanziert der Schriftsteller John Lanchester: Die Boni fließen weiter, das „Too-big-to-fail-Problem“ hat sich zugespitzt und das Finanzsystem ist noch krisenanfälliger geworden. Das hat vielerorts eine massive Wut geschürt – mit höchst ambivalenten Folgen.

Inken Behrmann: Verhindert die Heißzeit! Wie wir den Kohleausstieg schaffen, S. 45-52

Die Hitzewelle dieses Sommers unterstreicht erneut die Dramatik des Klimawandels. Doch noch immer fehlt der Wille zum dringend nötigen Ausstieg aus der Kohleverstromung, kritisiert die Politikwissenschaftlerin Inken Behrmann. Dabei könne ein radikaler Strukturwandel in den Kohleregionen gelingen – mit alternativen Modellen regionaler Entwicklung.

Eliane Brum: Lulas Brasilien oder: Die Illusion der Versöhnung, S. 53-63

Brasilien, das im Oktober einen neuen Präsidenten wählt, steckt in einer tiefen Krise. Fünfzehn Jahre nach Lulas Wahlsieg ist von der Euphorie im Land kaum etwas geblieben. Die brasilianische Journalistin Eliane Brum lässt die Entwicklungen der letzten Jahre Revue passieren und stellt fest: Lulas Politik der Versöhnung zwischen Arm und Reich war eine Illusion.

Friedrich Dieckmann: Ratloses Erschrecken. Zum Stand der deutsch-russischen Beziehungen, S. 65-73

Dem Gipfeltreffen zwischen Merkel und Putin zum Trotz befindet sich das deutsch-russische Verhältnis weiterhin auf einem Tiefpunkt. Denn auch vier Jahre nach Verhängung der ersten EU-Sanktionen gegen Russland ist die deutsche Politik nicht ernsthaft bemüht, die entstandenen Kränkungen zu beheben. Der Publizist Friedrich Dieckmann fordert: Berlin muss sich endlich für eine neue Entspannungspolitik einsetzen.

Richard C. Schneider: Von Orbán bis Corbyn: Die neue Normalität des Antisemitismus, S. 74-82

In den Jahrzehnten nach der Schoah wurden antisemitische Äußerungen nur hinter vorgehaltener Hand getätigt. Heute, 73 Jahre nach Auschwitz, ist Judenhass jedoch wieder salonfähig – und zwar rechts wie links, konstatiert der Journalist Richard C. Schneider. Solange Juden aber nur dann hier sicher leben können, wenn man sie nicht als solche erkennt, ist eine jüdische Zukunft in Europa mehr als ungewiss.

Frank Bandau: Skandinaviens Rechtspopulisten: Von Schmuddelkindern zu Königsmachern, S. 83-90

Bei der Parlamentswahl in Schweden droht ein weiterer Aufstieg der Rechtspopulisten, in Dänemark und Norwegen sind sie längst etabliert. Der Politikwissenschaftler Frank Bandau erklärt, wie sich in den traditionell sozialdemokratischen Ländern ehemalige Steuerprotestparteien zu erfolgreichen rechten Parteien entwickeln konnten. Um dies aufzuhalten, müsse die Linke sich wieder stärker ihrer Kernwählerschaft zuwenden.

Seyla Benhabib: Der Fremde als Gefahr? Globale Flucht und das Recht auf Schutz, S. 91-100

Italien und andere Mittelmeeranrainer weigern sich zunehmend, Flüchtlinge aufzunehmen. Damit aber drohen die liberalen Demokratien ihre menschenrechtlichen Grundsätze zu verraten, warnt die Philosophin und „Blätter“-Mitherausgeberin Seyla Benhabib. Dagegen plädiert sie für das Recht auf Schutz, das sich aus der Erfahrung des Fremdseins speist.

Hans-Jürgen Urban: Epochenthema Migration: Die Mosaiklinke in der Zerreißprobe?, S. 101-112

Die Debatte über die neue linke Sammlungsbewegung und den Umgang mit Flucht und Migration droht die Linke zu spalten. Das aber gilt es zu verhindern, so der Politikwissenschaftler und „Blätter“-Mitherausgeber Hans-Jürgen Urban. Nötig sei die Verständigung auf Modelle regulierter Migration, ohne das Prinzip der internationalen Solidarität aufzuweichen.

Danah Boyd: Wider die digitale Technokratie. Die verborgene Macht der Algorithmen, Teil II, S. 113-120

Algorithmische Systeme entwickeln sich immer mehr zu einer neuen Form von Bürokratie. Sie beeinflussen, wie wir Entscheidungen treffen und prägen unser öffentliches Leben, so die Medienwissenschaftlerin Danah Boyd. Damit aber erlangen IT-Konzerne eine ungekannte Macht über unsere Gesellschaften. Wir müssen sie daher bändigen – ebenso wie den neoliberalen Kapitalismus als solchen.

(aus: »Blätter« 9/2018, Seite 33-34)

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