Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Adam Tooze: Donald Trump oder: Das Ende des amerikanischen Zeitalters?, S. 49-63

Das vergangene Jahrhundert stand ganz im Zeichen der US-Dominanz. Doch Donald Trumps Bruch mit der außenpolitischen Tradition Woodrow Wilsons hat die amerikanische Demokratie zu einem politischen Auslaufmodell degradiert, so der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze. Trump habe damit jedoch keineswegs den US-amerikanischen Führungsanspruch aufgegeben, im Gegenteil: „America first“ gilt nicht nur nach Innen, sondern auch nach Außen – beim Handelskrieg mit China wie bei der Abkehr vom Pariser Klimaabkommen. 

L. K. Sharma und Arundhati Roy: Indien nach der Wahl, S. 65-78

Indien gilt vielen als exotisches Urlaubsparadies, dabei hat das Land soeben erst die hindu-nationalistische Regierung Narendra Modis wiedergewählt. Der Journalist L. K. Sharma analysiert die Wahlkampfstrategie Modis und zeigt, wie dieser mit Hilfe von Nationalstolz und religiösem Fanatismus den Sieg errang. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy stellt sich angesichts dessen die Frage, welche politische Rolle die Literatur in Zeiten zunehmender Tyrannei einnimmt.

Ulrich Brand: In der Wachstumsfalle. Die Gewerkschaften und der Klimawandel, S. 79-88 

Fridays for Future, Scientists for Future, Parents for Future – und nun auch noch Trade Unions for Future? Der Politikwissenschaftler und „Blätter“-Mitherausgeber Ulrich Brand fordert die Gewerkschaften auf, sich stärker für das Klima einzusetzen und erklärt, wie gerade Industriegewerkschaften aus dem Dilemma Arbeitnehmerschutz versus Klimaschutz herauskommen können: Nur wenn sie Klima-, Degrowth- und Arbeiterbewegung verknüpfen, werden Gewerkschaften wieder zum Fürsprecher des Guten Lebens für alle Lohnabhängigen.

Tim Wihl: Ein Radikaler wider Willen. Zum 100. Geburtstag des Verfassungs- und Bürgerrechtlers Helmut Ridder, S. 89-96

Wie kann man der deutschen Demokratie Leben einhauchen, wenn die politische Realität sich dem konservativen Status quo verschrieben hat? Vor dieser Aufgabe standen nicht nur die 68er, sondern auch der Verfassungsrechtler Helmut Ridder, ein langjähriger Mitherausgeber der „Blätter“. Der Rechtswissenschaftler Tim Wihl beschreibt die anhaltende Aktualität von Ridders Denken. Wo reaktionäre Praktiken eine umfassendere Demokratisierung der Gesellschaft im Keim zu ersticken drohten, legte Ridder Wege zu ihrer Liberalisierung frei – nicht über eine grundlegende Revolution, sondern über die rechtspolitische Belebung des Grundgesetzes. 

Helmut Fehr: Vom Feind zum Gegner. 1989 und die politische Kultur der Runden Tische, S. 97-104

Politik braucht Dialog, doch Hass und Gesprächsverweigerung gelten zunehmend wieder als legitime politische Mittel. Der Soziologe Helmut Fehr analysiert vor diesem Hintergrund die Gesprächskultur der Runden Tische der späten 1980er Jahre und mahnt an: Dialog war vor 30 Jahren das entscheidende Moment für den Weg zur friedlichen Revolution und in die liberale, pluralistische Demokratie. Denn friedlicher politischer Wandel ist nur möglich, wenn aus Feinden Gegner werden. 

Klaus Naumann: Vorbild Stauffenberg? Der 20. Juli 1944 und die postheroische Gesellschaft, S. 105-114

Das Attentat des Grafen Stauffenberg und seiner „Mitverschwörer“ auf Adolf Hitler war in der Geschichte der Bundesrepublik immer wieder hoch umstritten. Doch was kann es uns heute überhaupt noch sagen? Nach Ansicht des Militärhistorikers und „Blätter“-Mitherausgebers Klaus Naumann bleibt der 20. Juli 1944 ein wichtiger Stachel im deutschen Selbstbild. Gerade heute dürfe Stauffenbergs Wirken nicht primär im Lichte seiner vordemokratisch-elitären Gesinnung bewertet werden, sondern man müsse seine vorpolitische Tugendhaftigkeit sehen und anerkennen.

Kai Gehring und Henrik Rubner: Freie Forschung für freie Liebe. Magnus Hirschfeld und das Institut für Sexualwissenschaft, S. 115-120

Eine Gesellschaft frei von Diskriminierung und im Sinne sexueller und identitärer Vielfalt: Das war die Vision des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld im Berlin der Weimarer Republik. Anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung von Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft werfen die Grünen-Politiker Kai Gehring und Henrik Rubner einen Blick auf Hirschfelds institutionellen Wissenschaftsaktivismus und entdecken das reiche Erbe eines leidenschaftlichen Kampfes, der bis heute fortgeführt werden muss.

(aus: »Blätter« 7/2019, Seite 47-48)

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