Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Fred Turner: Die trügerische Verheißung. Von der Geburt des Internets zum neuen Autoritarismus, S. 41-54

Am Beginn des World Wide Web vor 30 Jahren stand eine große Verheißung: Zentralisierte Autoritäten sollten Geschichte sein, das digitale Zeitalter werde eine neue Ära echter Individualisierung einleiten. Doch eben jene Kommunikationsweisen, die den Autoritarismus besiegen sollten, machen ihn heute erst groß, so der Kommunikationswissenschaftler Fred Turner. Er fordert eine Stärkung staatlicher Institutionen, denn Technik allein wird das Individuum nicht befreien können.

Luiz Ruffato: »Brasilien über alles«. Der furchterregende Aufstieg des Jair Bolsonaro, S. 55-66

Brasiliens neuer Präsident inszeniert sich als erfahrener Soldat, politischer Außenseiter und konservativer Christ. Damit aber beschönigt der langjährige Berufspolitiker seine wenig glanzvolle, aber hoch gefährliche Biographie, so der Schriftsteller und Journalist Luiz Ruffato. Er analysiert Herkunft wie Gedankenwelt des Rechtsextremisten und warnt: Bolsonaro will das Rad der Geschichte zurückdrehen, bis in die Zeiten der Militärdiktatur.

Reni Eddo-Lodge: White Privilege oder: Die Lüge von der Farbenblindheit, S. 67-75

Hautfarbe bestimmt Lebenswirklichkeiten. Dennoch heißt es oft, man solle über sie hinwegsehen, um so dem Rassismus am wirkungsvollsten zu begegnen. Die Journalistin Reni Eddo-Lodge räumt mit dieser Vorstellung radikal auf. Denn nur Weiße spüren keine negativen Folgen ihrer Hautfarbe. Dieses White Privilege lässt sich nicht wegdefinieren – ebenso wenig wie der strukturelle Rassismus. Vor ihm dürfe man nicht weiter die Augen verschließen. Stattdessen gelte es, ihn klar beim Namen zu nennen.

Kate Manne: Erzwungenes Schweigen: Wie Männer Frauen mundtot machen, S. 76-83

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter und Formen. Aber alle dienen dazu, eine patriarchalische Ordnung aufrecht zu erhalten, argumentiert die Philosophin Kate Manne. Genau das bedeute Misogynie für viele Frauen: Gewalt erleiden und nicht darüber sprechen zu dürfen. Mit allen Mitteln bis hin zur Strangulation werden Frauen von Frauenfeinden wie Donald Trump zum Schweigen gebracht.

Jonas Ecke: Im Süden nichts Neues. Die Rolle Deutschlands im Zeitalter der neuen Stellvertreterkriege, S. 84-90

Das Ende des Kalten Krieges trug die Hoffnung in sich, dass nun auch die Ära der blutigen Stellvertreterkriege beendet sein würde. 30 Jahre später muss jedoch bilanziert werden, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat. Speziell die Konflikte des Nahen Ostens werden durch eine neue Gemengelage internationaler Interessen hoch explosiv. Der Kulturanthropologe Jonas Ecke zeigt auf, wie Deutschland als weltweit viertgrößter Waffenexporteur wesentlich zur Verschärfung dieser Konflikte beiträgt – und wie stattdessen eine echte Friedens- und Vermittlungspolitik aussehen müsste.

Albrecht von Lucke: »Fridays for Future«: Der Kampf um die Empörungshoheit. Wie die junge Generation um ihre Stimme gebracht werden soll, S. 91-100

Seit Jahren herrscht klimapolitischer Stillstand bei gleichzeitiger Verschlechterung der objektiven Lage. Doch in diesem Jahr ist erstmals eine neue Umweltbewegung in Erscheinung getreten. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert, wie „das Establishment“ aus Autolobby und verbandelten Medien den Protest der jungen Generation um jeden Preis mundtot machen will und warum dies auf keinen Fall verfangen darf.

Anton Hofreiter: Die fünf Klimawandel. Progressive Politik in Zeiten des Umbruchs, S. 101-110

Die Welt steht vor immensen Herausforderungen. Doch die bisherige Politik der Trippelschritte und des Kapitals ist unfähig, diesen zu begegnen. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, analysiert einen fünffachen Klimawandel: der Globalisierung, der Gesellschaft, des Klimas, der Technologie und des Politischen. Nur mit einer globalen progressiven Allianz kann der fatalen Entwicklung Einhalt geboten werden.

Christoph Fleischmann: Böhm, Hayek, Merz: Der Staat als Diener des Marktes, S. 111-117

Früher war bekanntlich alles besser, auch der Kapitalismus. Ehe die neoliberale Welle in den 1980er Jahren über den Atlantik schwappte, stand ihr in der Bundesrepublik die Soziale Marktwirtschaft als Fels in der Brandung gegenüber. So zumindest der Glaube. Doch tatsächlich findet sich auch in Deutschland eine starke neoliberale Tradition, so der Journalist und Theologe Christoph Fleischmann. Er erklärt, warum die Linke sich hüten sollte, nostalgisch auf die wirtschaftliche Vergangenheit der Republik zu blicken.

(aus: »Blätter« 3/2019, Seite 39-40)

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