Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

David Wallace-Wells: Ausblick auf das Höllenjahrhundert. Warum wir im Kampf gegen die Klimakrise keine Sekunde mehr verlieren dürfen, S. 47-57

Noch glauben viele, der Klimawandel schreite so langsam voran, dass ein schrittweises Gegensteuern ausreiche. Das aber ist ein brandgefährlicher Irrtum, warnt der Journalist David Wallace-Wells. Vielmehr zeigen die Prognosen der Klimaforscher: Weite Teile der Erde drohen in wenigen Jahrzehnten unbewohnbar zu werden. Wollen wir das Aufkommen eines Höllenjahrhunderts verhindern, müssen wir rasch und konsequent handeln.

Tanja Busse: Die Artenvielfalt stirbt – und wir schauen zu, S. 58-69

Dass Arten aussterben galt lange als etwas völlig Normales. Heute jedoch geschieht dies mit rasender Geschwindigkeit. Wir erleben das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte, analysiert die Journalistin Tanja Busse. Obwohl diese Erkenntnisse seit Jahren bekannt sind, werden sie nach wie vor verharmlost. Nötig sind aber eine andere Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft und andere Ernährungsstile. 

Birgit Mahnkopf: Produktiver, grüner, friedlicher? Die falschen Versprechen des digitalen Kapitalismus, Teil II, S. 70-76

Oft heißt es, die Digitalisierung führe zu einer Dematerialisierung der Produktion und sei damit ressourcenschonend. Tatsächlich jedoch entstehen längst neue Abhängigkeiten und damit auch Ressourcenkonflikte, argumentiert die Politikwissenschaftlerin Birgit Mahnkopf. Die daraus resultierenden militärischen Auseinandersetzungen werden zudem von autonom agierenden „intelligenten Waffensystemen“ geprägt sein – die selbstständig entscheiden, wann geschossen wird.

Jens Reich: 30 Jahre 1989: Die doppeldeutige Revolution, S. 77-83

Von Beginn an wohnte dem Aufbruch von 1989 eine Doppeldeutigkeit inne: Neben dem verbreiteten Wunsch nach politischer Emanzipation stand die umstrittene Forderung nach schneller Wiedervereinigung. Dreißig Jahre später brechen die Widersprüche als Feldzeichen politischer Gegensätze wieder auf, bilanziert der Bürgerrechtler und „Blätter“-Mitherausgeber Jens Reich. Diese mentalen Gräben kamen bereits bei den großen Demonstrationen der Wendezeit zum Vorschein – und prägen bis heute die politische Debatte in Ostdeutschland.

Philipp Ther: Die deutsche Schocktherapie. Der deutsche Sonderweg und die Transformation Ostmitteleuropas, S. 85-96

Nach 1990 erlebten viele Staaten und Regionen Mittel-Osteuropas eine wirtschaftliche Schocktherapie, darunter die neuen Bundesländer. Doch in der Bundesrepublik wurde nicht allein der Osten neoliberal transformiert, so der Historiker Philipp Ther. Vielmehr strahlte der Wandel auch auf den Westen der Republik aus – und mündete in der Agenda-Politik der Regierung Schröder.

Hans-Peter Krüger: Stachel im Fleisch. Die Habermas-Rezeption in der DDR, S. 97-104

Unter kritischen Geistern wurde Jürgen Habermas in der DDR gerne und oft zustimmend gelesen, weil seine Schriften dabei halfen, das dortige grundsätzliche Strukturdefizit an Öffentlichkeit und Demokratie aufzudecken. Aber genau das machte seine Werke für das Regime so gefährlich, analysiert der Philosoph Hans-Peter Krüger. Während die Kaderphilosophen sich gegen eine Verbreitung von Habermas Schriften aussprachen, gefiel den Reformern seine Kritik am westlichen Spätkapitalismus.

Hans-Jürgen Urban: Wirtschaftsdemokratie als Transformationshebel. Was das Konzept Guter Arbeit verlangt, S. 105-114

Die kapitalistische Spielanordnung des 21. Jahrhunderts ist geprägt durch autokratische Verhältnisse im Inneren von Giganten der digitalen Ökonomie und finanzkapitalistischen Restriktionen von außen. Nötig ist daher eine radikale Demokratisierung der kapitalistischen Ökonomie, so IG-Metall-Vorstand und „Blätter“-Mitherausgeber Hans-Jürgen Urban. Eine öko-soziale und wirtschaftsdemokratische Transformation erfordere jedoch einen kollektiven Diskurs- und Lernprozess.

Sabine Nuss: Kein Recht auf Rendite, aber ein Grundrecht auf Wohnen, S. 115-120

Lange waren sich Mainstreamökonomen einig: Der freie Markt regelt Angebot und Nachfrage – auch auf dem Wohnungsmarkt. Heute wird jedoch deutlich, dass Investoren nur solche Mietwohnungen schaffen, die auch gewinnbringend sind, so die Politikwissenschaftlerin Sabine Nuss. Der gesellschaftlichen Spaltung kann man daher nur entgegenwirken, wenn dem Wohnraum nicht mehr ein kapitalistischer Nutzen zugeschrieben wird – und die Eigentumsfrage erneut gestellt wird.

(aus: »Blätter« 11/2019, Seite 45-46)

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