Ausgabe Juni 1988

Integrationsschub 1992

Dimensionen des Projekts westeuropäischer Binnenmarkt (II)

4. Der Ausbau des EWS: DM oder ECU?

Anders als ursprünglich im Zielkatalog der bundesdeutschen Präsidentschaft vorgesehen, tritt die Bundesrepublik - entgegen dem zunächst offenen Widerstand von Finanzministerium und Bundesbank - inzwischen für die Einrichtung eines Gremiums ein, das "Prinzipien für die Entwicklung eines europäischen Währungssystems und ein Statut für die Errichtung einer europäischen Zentralbank" entwerfen soll. Bisher nahm die Bundesrepublik die Haltung ein, daß die monetäre Integration erst nach einer Teilnahme aller EG-Staaten am EWS und einer Liberalisierung der Kapitalmärkte sinnvoll sei und institutionell abgesicherte Fortschritte wirtschaftspolitischer Konvergenz "krönen" müsse 33). Mit dem Vorstoß für einen Ausbau des EWS versucht die Bundesrepublik, die Rolle des "Bremsers" mit der des "Vorreiters" der währungspolitischen Zusammenarbeit der EG-Staaten einzutauschen, um ihre Binnenmarktprioritäten nicht zu gefährden. Bereits in dem auf französisches Drängen parallel mit dem "Deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat" etablierten "Wirtschafts- und Finanzrat" hatte die Bundesrepublik zustimmen müssen, neben der Wirtschafts- und Haushaltspolitik auch währungspolitische Fragen "mit dem Ziel einer möglichst weitgehenden Abstimmung" zu erörtern 34).

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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