Ausgabe April 1990

1+1=1? Deutsche Arithmetik

Ob einem das Votum der DDR-Bevölkerung am 18. März 1990 paßt oder nicht: begrüßenswert ist seine Klarheit. Gewinner - mit in dieser Höhe nicht erwarteten Prozentsätzen - sind jedenfalls eindeutig die gewendeten Blockparteien des ançien régime: CDU(D) und LDP(D) auf der einen Seite, über Nacht scheinbar als Parteienkonstellation à la Bonn wiedergeboren, und die PDS(SED) mit ihrem Achtungserfolg als „Dritte Kraft" (wenn auch kaum „Dritter Weg") auf der anderen Seite.

Als die großen Verlierer stehen nicht nur, worauf alle sich bereits eingerichtet hatten, die tatsächlich neuen Kräfte da, vom Neuen Forum bis zu Demokratie Jetzt, der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) oder der Vereinigten Linken, die eigentlichen Katalysatoren der demokratischen Wende - sondern unvorhergesehenerweise auch die vom Bonner Ollenhauerhaus adoptierte und zur SPD (Ost) gemauserte sozialdemokratische Neugründung. Aber auch bei den Konservativen haben eben nicht die „Neuen" wie die DSU, vom Schnur-DA ganz zu schweigen, sondern die auf doppelte — alt-neue — Weise vertraute Ex-Blockpartei CDU von der „nachrevolutionären" Stimmung in Deutschost profitiert.

April 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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