Ausgabe April 1990

Die demokratische Frage

Der revolutionäre Wandel in Osteuropa und der Bankrott des realsozialistischen Experiments haben - neben den folgenreichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Erblasten - auch die „demokratische Frage" neu aufgeworfen: als Frage nach den - freilich systemübergreifend aktuellen - Bedingungen öffentlicher Selbstregierung. Zeitgleich mit dem Aufbruch in der DDR, der Tschechoslowakei und Rumänien haben die Frankfurter Wissenschaftler Ulrich Rödel, Günter Frankenberg und Helmut Dubiel den Essayband „Die demokratische Frage" (edition suhrkamp) vorgelegt. Der Band hat die westlichen (speziell: die bundesdeutschen) wie östlichen Defizite der Zivilgesellschaft zum Gegenstand und entwickelt Kriterien einer demokratischen Republik, von denen ein deutsch-deutsches Verfassungsprojekt auch dann noch eine Menge zu lernen hätte, wenn es sich dem Grundgesetz anschlösse. Eine Fragestellung, der auch der Beitrag von Lutz Hoffmann in diesem Heft verpflichtet ist.

Der Mitautor dieses Bandes und Direktor am Frankfurter Institut für Sozialforschung Helmut Dubiel umreißt im folgenden Beitrag, dem ein Vortrag in Leipzig vom 10. März 1990 zugrundeliegt, die Grundthesen der Autorengruppe. In der Öffentlichkeit ist der Band auf eine anhaltende Resonanz gestoßen.

April 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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