Ausgabe August 1990

Artikel 146 GG - Wird der Meridian der westdeutschen Linken zum Strang von Revolution und Demokratie in Deutschland?

Über Inhalt, Funktion und Stellenwert der Artikeldebatte (IV)

Was ich in den vorausgegangenen drei Teilen zur Artikeldebatte angemerkt habe, hat mir - bislang - den Zorn nur einiger allzu flüchtiger „Blätter"-Benutzer eingetragen, der sich durch die Reizwörter eines bewußt polemisch formulierten politikwissenschaftlichen Texts über heftig umstrittene Fragen von säkularer Dimension mühelos entflammen ließ. Mit diesem vierten Teil der Beitragsfolge werde ich vielleicht auch manchen Lesern der „Blätter" Ärger bereiten, vor allem solchen, deren Lebensspanne nicht so weit zurückreicht und deren Sozialisationsbedingungen nicht so glücklich waren, wie für ein selbständig reflektierendes eigenes Erfahren der relativen Offenheit der deutschen Jahre von 1945 bis 1948, sodann der totalen Verschlossenheit des „Dritten Reichs", sodann des immerhin von einer Nationalversammlung unternommenen Republikversuchs von Weimar erforderlich. Ich gerate da unvermeidlich mit der 146er Fraktion der Artikeldebatte aneinander, die sich als letztes - und stärkstes! - Aufgebot neo-konstitutioneller deutscher Demokratieverhütung erweist.

August 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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