Ausgabe Februar 1990

Wider Vereinigung: Erklärung der Hundert

veröffentlicht am 9. Dezember 1989 in der Frankfurter Rundschau und der Leipziger Volkszeitung (Wortlaut)

Unter dem Titel „Wider Vereinigung "planen die Initiatoren der nachstehenden Erklärung, die am 6. Dezember 1989 gleichzeitig in der „Frankfurter Rundschau" und in der „Leipziger Volkszeitung" erschienen ist, für den 6. Februar 1990 eine Podiumsdiskussion in Köln. Auf der Veranstaltung, organisiert zusammen mit der Volkshochschule Köln, werden je zwei Kulturschaffende aus Bundesrepublik und DDR mit den Teilnehmern diskutieren. D. Red.

Mit Sorge beobachten wir das Entstehen einer Großen Koalition pseudo-nationaler, nationalistischer und „patriotischer" Kräfte in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Wortführer nehmen den gegenwärtigen revolutionären Prozeß in der Deutschen Demokratischen Republik als einen ersten Schritt auf dem Wege zur „Wiedervereinigung" in Anspruch. Ohne den komplizierten Demokratisierungsprozeß bei unseren Nachbarn abzuwarten, wird unverhohlen ein Export der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung der Bundesrepublik nach Osten angepeilt. Das zielt auf Entmündigung.

Wir erklären: Diese Großmannspolitik trifft auf die entschiedene Kritik der Unterzeichner und Unterzeichnerinnen.

1. Der vielschichtige Prozeß der Annäherung beider deutscher Staaten ist in schlechten Händen, wenn seine Propagandisten hierzulande von wirtschaftlicher Expansion und großdeutschen Grenzen träumen.

2. Die Vorläufer dieser Kräfte haben bereits zweimal in diesem Jahrhundert nationale Anliegen vorgetäuscht, um sich zu bereichern und Kriege zu führen. Sie haben in Europa ein Trümmerfeld und in Deutschland die Teilung hinterlassen.

3. Unter ihrem Patronat wird das „Großmanns-Deutschland" die Wiedervereinigung in einem Scherbenhaufen enden lassen und den Aufbau des Europäischen Hauses gefährden.

Unsere Unterstützung gilt den Menschen, die in beiden deutschen Staaten nach politischem Frieden, sozialer Demokratie und ökologischer Verantwortung streben. Wir fühlen uns den Menschen der DDR verbunden, die uns eindrucksvoll ihren Willen nach Selbstbestimmung vor Augen geführt haben. [...]

 

--

Leider ist dieser Beitrag in der HTML-Ansicht nur in Auszügen verfügbar. Den gesamten Text finden Sie in der PDF-Datei, die auf dieser Seite zum Download angeboten wird.

 

 

 

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo