Ausgabe Januar 1991

Okay? Servus!

Erika Berger, die im Studio von RTL auf einem roten Sofa sitzt und sich von Frauen und Männern anrufen läßt, um ihnen bei der Lösung ihrer Probleme mit der Sexualität zu helfen, hat selber ein Problem: Bei jedem der drei oder vier Gespräche während der halbstündigen Sendung muß sie darauf achten, daß die Kurztherapie zu einem positiven Ende gebracht wird. Dies gelingt meistens, weil die Schwierigkeiten, die da per Telefon und übers Fernsehen verhandelt werden, durch eine verbesserte Kommunikation zwischen den Partnern überwunden werden können - wäre doch gelacht, wenn bei dem medialen Aufwand diesen Leuten nicht zu helfen wäre.

Eine Chance für die Liebe möchte der Kölner Sender seinem Publikum allmonatlich geben, gemeint ist: mehr Sex. Bettina hat Angst, Ihrem Mann ihre erotischen Wünsche mitzuteilen, sie will verführt, erobert werden. Erika Berger rät, sich trotzdem zu trauen, ihm mitzuteilen, daß sie doch gerne am Mittwoch (und nicht am Sonnabend) mit ihm in die Badewanne und dann ins Bett steigen möchte. „Das werd ich wirklich mal versuchen", nimmt sich Bettina vor und die gute Fee ist auch zufrieden: „Okay, Servus".

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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