Ausgabe Januar 1991

Demokratiepreis

Editorial

Am 7. Dezember 1990, dem Jahrestag der Eröffnung des zentralen Runden Tisches der DDR im Berliner Dietrich-Bonhoeffer-Haus, erhielten an gleicher Stelle Bärbel Bohley und Wolfgang Ullmann, stellvertretend für die Demokratiebewegung der DDR, den Demokratie-Preis der „Blätter". Die Laudatio hielt Walter Jens.

Jetzt muß der Westen seine Demokratiefähigkeit beweisen

Herzlichen Dank für diesen Preis. Er ist nicht für Wolfgang Ullmann und mich, sondern für uns alle bestimmt. Ich habe mich zwischen zwei Redner geschummelt, um ein paar Worte zu sagen, die mir am Herzen liegen. Die Bürgerbewegung im vergangenen Jahr bleibt für mich Ausdruck der Sehnsucht nach Demokratie.

Wir bleiben in der Schuld dieser Demokratiebewegung

Von Walter Jens Liebe Bärbel Bohley, lieber Wolfgang Ullmann, liebe Freunde von der Demokratie-Bewegung, meine Damen und Herren, ich spreche, da mir die Ehre zuteil geworden ist, hier die Laudatio zu halten, dem Genius loci, Zinzendorfs weißem Betsaal entsprechend, vor allen Dingen über die christliche Demokratie-Bewegung - einmal eben dem Geiste des Hauses entsprechend, andererseits da

Hauptaufsätze

Nachholende oder doppelte Modernisierung?

Der zentralistisch-administrative Sozialismus ist gescheitert. Die bürgerliche Gesellschaft hat sich in den entwickelten Industriestaaten gerade im Lichte dieses weltgeschichtsverändernden Niedergangsprozesses als die einzig moderne, innovationsfähige und offene Gesellschaft der Gegenwart erwiesen.

Vom Gewinn der Niederlage

In einem der wenigen erhaltenen Briefe des griechischen Philosophen Epikur schrieb dieser vom Totenbett an einen Freund, ihm ging es bestens, denn "die Schmerzen können nicht mehr schlimmer werden".

Bürgerbewegungen und parlamentarisches Netzwerk

Begossene Pudel sind wir! Ich habe vor der Wahl eine öffentliche Ergebnisvorhersage riskiert. Vorsichtshalber nur für das DDR-Gebiet. Ich schrieb rund 45% CDU/CSU, 25% SPD, 10% FDP, 10% Grün und Konsorten sowie einen Rest bei 10% für die PDS. Da lag ich also nicht schlecht, und das ist ja auch kein Wunder, da wir das Ergebnis der Landtagswahlen kannten.

Demokratisierung in Afrika.

Die Demokratie scheint - nach entsprechenden Entwicklungen in Lateinamerika, Asien und Osteuropa - nun auch in Afrika auf der politischen Tagesordnung zu stehen. Der Übergang von autoritären Regimes zu parlamentarischen Mehrparteiensystemen, zur liberalen Demokratie westlichen Zuschnitts, wird von innen wie von außen gefordert.

Gewerkschaftliche Gestaltungsmacht im EG-Binnenmarkt

Die in den beiden letzten Jahren intensivierte Diskussion über die sozialen Auswirkungen des EG-Binnenmarktprojekts, hervorgerufen durch gewerkschaftliche Befürchtungen eines Sozialdumpings insbesondere in den entwickelteren Mitgliedstaaten der EG, wurde im Verlauf des Jahres 1990 - zumindest in der Bundesrepublik durch die Problematik des deutschen Einigungsprozesses fast vollst&auml

Der Vertrag über konventionelle Abrüstung in Europa

Wien I ist das bisher bedeutendste Abrüstungsabkommen für Europa und ein unverzichtbarer Beitrag zur Stabilisierung der dramatischen Umbrüche des vergangenen Jahres. Dennoch war der Vertrag bereits am Tage seiner Unterzeichnung politisch, konzeptionell und von der realen Abrüstung überholt.

Furcht vor Preußen?

1960 erklärte Karl Jaspers, daß die Geschichte des deutschen Nationalstaates beendet sei. Ein Irrtum, wie sich heute erweist; denn die Deutschen haben wieder einen Nationalstaat. Dabei waren Intellektuelle in der Bundesrepublik schon davon ausgegangen, in einem "postnationalen" Gebilde (so der Soziologe M.

Dokumente zum Zeitgeschehen

Alle notwendigen Mittel

Die nachstehende, auf einen Entwurf Großbritanniens, Kanadas, der UdSSR und der USA zurückgehende Resolution, die Mitgliedstaaten der UNO auch zu einem militärischen Vorgehen gegen Irak ermächtigt, wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 29. November 1990 mit 12 gegen 2 Stimmen (Kuba, Jemen) verabschiedet. Die Volksrepublik China enthielt sich der Stimme. D.

Den Krieg am Golf kann nur einer gewinnen - der Tod...

Sind alle verrückt geworden? Die Reporter schlagen den Kriegsberichterstatterton an - es ist, als hofften manche bereits auf sensationelle Bilder von der Front... Die ganze Welt scheint gebannt und gelähmt darauf zu warten, wann im Nahen Osten Schüsse fallen.

Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa vom 19. November 1990 (Auszüge)

(Auszüge) Aus dem umfangreichen, am 19. November 1990 in Paris unterzeichneten Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa dokumentieren wir nachstehend jene Kernpassagen, in denen Anwendungsgebiete und Obergrenzen für Kampfpanzer, gepanzerte Kampffahrzeuge, Artilleriewaffen, Kampfflugzeuge und Angriffshubschrauber festgelegt sind.

Medienkritik

Okay? Servus!

Erika Berger, die im Studio von RTL auf einem roten Sofa sitzt und sich von Frauen und Männern anrufen läßt, um ihnen bei der Lösung ihrer Probleme mit der Sexualität zu helfen, hat selber ein Problem: Bei jedem der drei oder vier Gespräche während der halbstündigen Sendung muß sie darauf achten, daß die Kurztherapie zu einem positiven Ende g

Wirtschaftsinformation

Wahlen

Kommentare

Der Pariser KSZE-Gipfel - Ende oder Anfang

Der 21. November 1990 war der Tag der europäischen Notare. Mit ihrer Unterschrift unter eine umfangreiche Erklärung gaben an diesem Tag die Staats- und Regierungschefs der 34 Staaten der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) dem endgültigen Abschluß der Nachkriegszeit Brief und Siegel *).

Abschied von Solidarnosc

Quo vadis, Polonia? dürfte heute so mancher westliche Freund des Landes mit Besorgnis fragen. Zwar hat uns die neuerworbene Freiheit nicht so überrumpelt wie manch andere in derselben Ecke: Wir haben sie eher erkämpft als geschenkt bekommen.

Chronik des Zeitgeschehens