Ausgabe Januar 1991

Politik auf neuen und ungewohnten Wegen

Meine lieben - in Stuhlreihen zurückgesetzten - Freundinnen und Freunde,

repräsentativen Freundinnen und Freunde des nicht repräsentativen Runden Tisches. Gestatten Sie mir, nach Bärbel Bohley einiges zu bemerken zur Perspektive, die sich vom Runden Tisch aus, der in diesem Saal getagt hat, in unserer Situation heute ergibt, und ein paar Anmerkungen zur Situation der Demokratie und der Freiheit laut werden zu lassen, die an das anschließen, was Bärbel Bohley soeben gesagt hat. Der Runde Tisch hat nicht dargestellt, er hat nicht repräsentiert, er hat sichtbar gemacht und er hat Perspektiven eröffnet. Er hat nicht die DDR vom Dezember 1989 dargestellt, nicht die Tausende, die Tag für Tag das Land verließen, daß für sie ein hoffnungsloser Fall geworden war; er hat nicht die schrankenlos opportunistische SED-Administration dargestellt, die noch fast vollzählig in Büros saß, und, willig wie bisher, jedem Kommando zu gehorchen, nur auf eines bedacht war: irgendeinen Rückzug offen zu behalten. Er hat vor allem nicht jene schweigende Mehrheit dargestellt, die lethargisch wieder ihrer Arbeit nachging, nachdem die Zeit der Hunderttausender-Demonstrationen vorüber war.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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