Ausgabe Januar 1991

Jetzt muß der Westen seine Demokratiefähigkeit beweisen

Herzlichen Dank für diesen Preis. Er ist nicht für Wolfgang Ullmann und mich, sondern für uns alle bestimmt. Ich habe mich zwischen zwei Redner geschummelt, um ein paar Worte zu sagen, die mir am Herzen liegen. Die Bürgerbewegung im vergangenen Jahr bleibt für mich Ausdruck der Sehnsucht nach Demokratie. Die verschiedensten Initiativen und Bürgerbewegungen haben sich zusammengefunden, weil sie genau diese Demokratie realisieren wollten. Von diesen Gruppen war damals vielleicht das Neue Forum diejenige, die diesen Anspruch am konkretesten gestellt hat. Es ist uns damals vorgeworfen worden, wir hätten kein Programm.

Aber darin lag unsere Stärke. Wir wollten zusammen ein Programm entwickeln. Der Runde Tisch war meiner Meinung nach die Regierung der Bürgerbewegung, die Regierungsform dieser Zeit. Alle gesellschaftlichen Kräfte in unserem Land hatten sich damals gemeinsam an diesen Tisch gesetzt und versucht, aus der Erstarrung - ihrer eigenen Erstarrung - auszubrechen. Wer sich an diesen Tisch gesetzt hat, hat kapituliert. Vor dem Anspruch nämlich, die Probleme in diesem Land allein lösen zu können. Ich glaube darin liegt die Bedeutung des Runden Tisches. Es war sozusagen der Versuch der Krisenbewältigung von unten. Eigentlich wußten sehr viele, die jetzt auch in diesem Raum sind und die damals am Runden Tisch gesessen haben, gar nicht, was dieser Runde Tisch bedeutet, glaube ich.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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