Ausgabe Juli 1991

Die Oppositionsfalle

oder Von der Tücke des Erfolgs

Von Klaus Naumann Eine Ära scheint sich ihrem Ende zu nähern - die Ära der Kohl. Ende der Wende? Totgesagte leben länger. Dieser Spruchweisheit folgend, sollte man mit Terminen vorsichtig umgehen. Aber die Auguren, Demoskopen und Wahlkommentatoren - zuletzt wg. Hamburg machen in schön Wetter, jedenfalls für die parlamentarische Opposition, genauer: für die Sozialdemokratie. Ist die Rede vom Scheitern, ja vom Verschwinden der Opposition im neuen Deutschland Schnee von gestern? Verläßt man die Schönwetterzone der Tagesstimmungen und verschafft sich Überblick, wird man schnell einer Winterlandschaft ansichtigt, und der Schnee, der dort tiefgefroren überdauert. ist nicht erst vom Vortag... Aber bleiben wir noch bei der geschäftsführenden Bonner Koalition. Ihre Wahlschlappen häufen sich. Das Bedürfnis, die Einbrüche auf die bundespolitische Lage zu beziehen, äußert sich freimütig. Nachtragshaushalte und Entscheidungen stehen an, die den Zwist in der Koalition vergrößern werden (Pflegeversicherung, Paragr. 218, Steuerpolitik, Grundgesetzänderung...). Der Bundesrat verfügt inzwischen über eine stabile Gegenmehrheit. Die Stunde der Arbeitsgruppen-Gemeinsamkeiten scheint vorerst vorüber. Die FDP fängt an zu wackeln, prozyklisch sozusagen. Aber springen wird sie nicht; sie fiele nämlich ins Leere. Eine neue Mehrheit im Bundestag steht einstweilen nicht zur Verfügung.

Juli 1991

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo