Ausgabe April 1992

Probleme postsozialistischer Demokratien

Eine Osteuropa-Übersicht

Wahlen zum Sejm im Oktober 1991, Präsidentschaftswahlen in Bulgarien vor wenigen Wochen, Vorwahlkampf in der CSFR für das Bundesparlament. Diese Schlagzeilen zeigen, daß der Alltag der Demokratie in Osteuropa eingekehrt ist. Dieser Alltag sieht jedoch anders aus als gedacht. Desillusionierung, Unsicherheit und eine Vorahnung von Unheil sind allenthalben zu spüren. Wie weggeblasen scheint die euphorische Aufbruchstimmung des Herbstes 1989. Ungeduld mit dem Tempo der Veränderungen und den Veränderern macht sich breit. Genauer wird nachgefragt, wer denn nun die Gewinner und wer die Verlierer der Revolutionen sind. Die Unfreiheit und Demütigung des Realsozialismus beginnt für manche zu verblassen vor den Problemen der neuen Zeit.

Das einzig sichere im Transformationsprozeß des Ostens bleibt vorerst die Unsicherheit Spezifik, Einmaligkeit und Unvorhersehbarkeit der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Umbrüche im Osten Europas entziehen sich jeglichem Schwarz-WeißSchema.

April 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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