Ausgabe Januar 1992

Amerika - Bilder und Spiegelbilder

Die Vereinigten Staaten - eine erfolgreich scheiternde Nation?

„Gerade jetzt, wo die Ergebnisse der Lesetests nach oben gehen!", ruft der Mann aus Manhattan seinem Fluchtgenossen zu, beide inmitten panisch davonstürzender Passanten, in deren Verfolgung ein hochhausgroßer Dinosaurier daran geht, den Straßenzug zu demolieren. So hat jüngst der „New Yorker" das amerikanische Dilemma ins (karikierende) Bild gesetzt: Kaum ist ein Problem bewältigt, türmt sich das nächste auf - größer, zerstörerischer und am Ende vielleicht unlösbar.

Unlösbare Probleme

Wer in Amerika alt werden will, hat die besten Aussichten jung zu sterben: 73mal bessere als in Österreich, 44mal höhere als in Japan, und selbst englische Jugendliche sind um ein 20faches sicherer. Gleichzeitig landen aber auch viel mehr Amerikaner hinter Gittern - über dreimal so viel als etwa in Großbritannien, das von allen westeuropäischen Ländern am meisten einsperrt. Lange hat man geglaubt, die allgegenwärtige Gewalt wenigstens lokalisieren zu können: auf Drogenmißbrauch zurückgeführt, würde sie auf ein begrenztes Schlachtfeld für einen berechenbaren Krieg („war on drugs") eingekreist.

Januar 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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