Ausgabe Juli 1992

Gemeinschaft und Demokratie in den USA

Die vergessene Vorgeschichte der Kommunitarismus-Diskussion

Nicht nur die Debatte über den Kommunitarismus speist eine neuerliche Konjunktur des Gemeinschaftsbegriffs. Ebensosehr ist die "Kolonialisierung der Lebenswelten" dazu angetan, die Frage aufzuwerfen, welche Verbundenheit die moderne Gesellschaft (noch oder immer wieder aufs neue) zu erzeugen vermag. Und dennoch bleibt die alte, begründete Skepsis gegenüber der deutschen ideologischen und Begriffstradition, die mit der Beschwörung von "Gemeinschaft" einhergeht. - Daß es auch andere Bezüge, Kontexte und Bedeutungen des so verdächtigen Begriffs gibt, belegt beispielsweise die amerikanische Geistesgeschichte, in der "community" und Liberalismus eng verbunden sind. Wir veröffentlichen im folgenden einen Beitrag des Berliner Soziologie-Professors Hans Joas zu diesem, hierzulande weitgehend unbeachtet gebliebenen Traditionsstrang. Den Text trug Hans Joas auf dem Kongreß "Gemeinschaft und Gerechtigkeit" vor, der vom 28. bis 3O. Mai 1992 in Frankfurt/M. stattfand. Er wurde von der Frankfurter Akademie der Künste und Wissenschaften/Gründungssekretariat veranstaltet und von Micha Brumlik (Heidelberg) und Hauke Brunkhorst (Berlin) vorbereitet. Die Kongreßbeiträge erscheinen im März 1993 beim Fischer-Taschenbuchverlag: Brumlik/Brunkhorst (Hrsg.), Gemeinschaft und Gerechtigkeit. Wir danken dem Autor und dem Verlag für die freundliche Genehmigung des Vorabdrucks. D.

Juli 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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