Ausgabe März 1992

Zwischen Selbstkasteiung und Dominanz

... die ganze Anti-Impi-Show enttarnt Ein Brief in Sachen Gronemeyer / Leggewie

In Heft 1/1992 der "Blätter" ("1492- 1992: Die Gewalt des Fortschritts oder Erfindung und Zerstörung der Einen Welt") haben wir Streit gesucht. Wir haben gezielt dazu eingeladen, die Diskussion anläßlich des 500. Jahrestages der Entdeckung des Christoph Kolumbus kontrovers zu führen, von unterschiedlichen Standpunkten aus und mit abweichenden Ergebnissen - durchaus im Sinne eines Gegenprogramms zur monochromen Anlage so mancher Festschriften und -veranstaltungen, die sich "beiderseits der Barrikade" einmal mehr in Selbstvergewisserung üben. Der Streit hat sich erwartungsgemäß über die "heftinternen" Debatten hinaus fortgesetzt.

Insbesondere die Polemik von Reimer Gronemeyer und Claus Leggewie ("Rituale europäischer Selbstkasteiung") löste zum Teil heftige Reaktionen aus. Die wesentlichen Anwürfe: der Beitrag laufe auf eine Rehabilitierung des Kolonialismus hinaus, enthalte rassistische Elemente, schreibe das Dominanzverhältnis zwischen Nord und Süd fest... Kritische Stimmen haben uns insoweit erstaunt, als die rhetorischen Eigenarten des inkriminierten Textes, der weder wissenschaftliche Abhandlung noch politisches Manifest sein will, ausgeblendet werden: Daß die Autoren in provokativer Absicht schreiben und zu diesem Zweck überspitzen, dürfte kaum zu übersehen gewesen sein.

März 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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