Ausgabe Mai 1992

Labour-Haken

"Welcome to Japan" begrüßt am Tage nach den britischen Parlamentswahlen ein Kommentator der "Financial Times" sein Publikum. Die Anspielung auf das Land im Fernen Osten steht dafür, daß die britische Insel drauf und dran ist, sich zu einem De-facto-Einparteiensystem zu entwickeln.

Obwohl Großbritannien nach 13 Jahren Tory-Herrschaft die längste und tiefste Rezession seiner Nachkriegsgeschichte erlebt, ist es der konservativen Partei entgegen allen Voraussagen zum vierten Mal hintereinander gelungen, die absolute Mehrheit der Parlamentssitze zu gewinnen. "Wenn die oppositionelle Labour Party selbst in diesen krisengeprägten Zeiten nicht in der Lage ist, die politische Macht zu erobern", lautet eine nun oft gestellte Frage, "wann wird sie jemals noch eine Chance haben?" Politik funktioniert anscheinend anders als die Gesetze des Konjunkturzyklus. Die wirtschaftliche Krise stand zwar im Vorfeld der Wahlen eindeutig im Zentrum der politischen Auseinandersetzung, dies hat den Konservativen jedoch offensichtlich mehr genützt als geschadet. Viele Wählerinnen und Wähler gingen trotz Kritik an den Tories davon aus, daß sich die ökonomische Situation unter einer Labour-Regierung eher noch verschlechtern würde.

Mai 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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