Ausgabe April 1993

Wunderbare Wandlung

Die Nachnachkriegsdeutschen und der Bosnien-Einmarsch - Ein Frontbericht

I

Es war einmal ein Briefwechsel. Am 12. Dezember 1991 schreibt der damalige UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar dem amtierenden EG-Ratspräsidenten. Das ist Ende 1991 der niederländische Außenminister Hans van den Broek, einer von jenen (die neuen Zeiten waren angebrochen), "für die Außenpolitik bisher hauptsächlich in der Regelung von Käse- und Gemüseexportquoten bestand" 1). Alarmiert von der deutschen Anerkennungskampagne zugunsten Sloweniens und Kroatiens, warnt de Cuellar vor unkoordinierten und übereilten Schritten. Die Antwort kommt tags darauf - vom damaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher: "Die Verweigerung der Anerkennung jener Republiken, die ihre Unabhängigkeit wünschen, müßte zu weiterer Eskalation der Gewaltanwendung durch die Volksarmee führen, weil sie darin eine Bestätigung ihrer Eroberungspolitik sehen würde. Ich darf darauf hinweisen, daß für Europa nach der Schlußakte von Helsinki und der Charta von Paris gilt, daß die Grenzen unverletzlich sind und nicht mit Gewalt geändert werden dürfen. Die EG hat deshalb die Respektierung der inneren und äußeren Grenzen Jugoslawiens gefordert..."

Dem neuen Briefpartner antwortet Perez de Cuellar am 14.

April 1993

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