Ausgabe Juni 1993

Perspektiven einer neuer Nord-Süd-Politik

1. Vom Elend und Charme der Neuen Weltordnung

Wenn Elefanten miteinander kämpfen, dann leidet das Gras. Und wenn sich Elefanten lieben? Dann leidet es auch.

So ähnlich wie in diesem afrikanischen Sprichwort stellt sich für Samir Amin, einen der bekanntesten Theoretiker aus der Dritten Welt, die Lage des Südens nach dem Zerfall des „Realsozialismus", angesichts der Auflösung des Ost-West-Gegensatzes und der wachsenden Triadenkonkurrenz zwischen Europa, USA und Japan dar. Von der „neuen", der unipolaren Weltordnung, so schlußfolgert er in seinem neuen Buch, hat der Süden des Globus nichts zu erwarten. Seine wirtschaftliche und soziale Perspektive ist bereits seit längerem vorgezeichnet: Mit wenigen Ausnahmen kann von der beschleunigten Fortschreibung der Peripherisierung und Marginalisierung großer Teile Afrikas, Asiens und Lateinamerikas innerhalb des Weltsystems ausgegangen werden, wobei dieser Vorgang der Zwangsabkoppelung keineswegs mit verminderter Ausbeutung einhergeht. Der jüngste Human Development Report des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) bezifferte die Nettogewinne des Nordens im Nord-Süd-Verhältnis, die „Weltmarktkosten der Entwicklungsländer" (resultierend aus ungleicher Partnerschaft und eingeschränktem Zugang zu den Märkten), auf rund 500 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Juni 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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