Das „Politbarometer" der Forschungsgruppe Wahlen veröffentlicht seit 1986 nicht mehr die tatsächlich ermittelten Antworten auf seine Sonntagstrage „Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären", sondern manipuliert die Befragungsergebnisse durch eine „Gewichtung". Wie der Wuppertaler Mathematikprofessor Fritz Ulmer berichtet, ging diesem Verfahrenswechsel eine Intervention der CDU voraus. Die Forschungsgruppe Wahlen hinterlegt allerdings die Rohdaten beim Sozialarchiv der Universität Köln. Das Verdienst Professor Ulmers ist, Rohdaten und ZDF-Darstellung miteinander in Bezug gesetzt zu haben und einmalige Einblicke zu ermöglichen. Nur alle vier Jahre, passend zu den Wahlen, nähern sich Befragungsergebnis und Politbarometermeldung einander an. In der Zwischenzeit meldet die Forschungsgruppe Wahlen, was sie für richtig hält. Bei näherer Betrachtung der Koalitionsergebnisse zeigt sich: In 95 Monatsbefragungen erhielten CDU/CSU/FDP nur achtzehnmal 50 oder mehr Prozent der „Wählerstimmen", aber in der Berichterstattung des ZDF-Politbarometers wurde die Koalition 43mal mit absoluter Mehrheit gemeldet. Die „Wähler" drückten die Koalition in immerhin 21 Monatsbefragungen unter 40 Prozent. Das ZDF wollte derartige Meldungen niemandem zumuten: Kein einziges Mal berichtete es von einem solchen Ergebnis.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.