Ausgabe November 1994

Quebec - demnächst souverän?

Wenn man in der kanadischen Hauptstadt Ottawa richtig gut essen will, dann fährt man nach Hull. In Hull, der Vorstadt am anderen Ufer des Ottawaflusses, gibt es die weit und breit besten französischen Restaurants. Diese Restaurant- Trips könnten vielleicht schon im nächsten Jahr zur Auslandsreise werden. Denn Hull ist rechtlich keine Vorstadt von Ottawa, sondern eine eigene Gemeinde in der (einem deutschen Bundesland vergleichbaren) Provinz Quebec.

Und dort hat am 12. September 1994 der separatistische Parti Québécois die Wahlen gewonnen. Dessen erklärtes Ziel ist die Souveränität des frankophonen Quebec, die Sezession vom englischsprachigen Kanada. Dem Wahlsieg von 1994 soll 1995 eine Volksabstimmung folgen; wenn diese mehr als 50% für die Loslösung von Kanada erbringt, wird Quebec unabhängig. Weitere Szenarien sind leicht denkbar, darunter der Beitritt der „reichen" westlichen Provinzen British Columbia, Alberta und Saskatchewan zu den USA. Der Zerfall eines der wirtschaftlich und politisch stabilsten Länder der westlichen Welt könnte programmiert sein. Düstere Prognosen für ein Kanada ohne Quebec finden sich in dem soeben in den USA erschienenen Buch „Breakup - The Coming End of Canada and the Stakes for America".

November 1994

Sie haben etwa 35% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 65% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo