Vergasen, vergiften, erhängen, Starkstrom: Die Amerikaner sind, was Hinrichtungen anbelangt, recht vielfältig. Und sie sind engagiert. Allein im Januar sind sechs Menschen hingerichtet worden, in Texas gleich zwei an einem Tag. Der Bundesstaat Arkansas hat vergangenen Sommer drei Menschen in einer Nacht vergiftet. Die Wärter und Henker sollen nicht so viele Überstunden machen müssen. Landauf, landab, von New York und Maryland bis Texas und Kalifornien legen Gouverneure Gesetzentwürfe vor, um zum Tode Verurteilte zügiger ins Jenseits zu befördern. Der US-Kongreß mit seiner neuen republikanischen Kopf-ab-Mehrheit will die Berufungsmöglichkeiten einschränken: Die Todeshäftlinge wären doch nicht verurteilt worden, wenn sie die Morde nicht begangen hätten; einmal müsse Schluß sein. In mehreren Bundesstaaten dürfen jetzt Angehörige des Mordopfers zuschauen, wenn der Täter von Amts wegen getötet wird. Vielleicht kommen Hinrichtungen bald im Fernsehen? Einer jedoch wird nicht hingerichtet, selbst wenn er des Doppelmordes für schuldig befunden werden sollte: O. J. Simpson, Ex-Footballstar, Fernsehkommentator, Werbemann und Schauspieler, der seit Wochen in Los Angeles vor Gericht steht und angeklagt ist, seine geschiedene Frau Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman, einen Freund, vorsätzlich umgebracht zu haben.
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März 1995