Ausgabe Mai 1995

Die Türkei in Deutschland

Der ethnische Konflikt zwischen der kurdischen Volksgruppe und dem türkischen Staat, die Gewalttaten gegen türkische Einrichtungen und Geschäfte in Deutschland, die blutigen Auseinandersetzungen in Istanbul nach Mordanschlägen auf Angehörige der religiösen Minderheit der Aleviten und nicht zuletzt die Militäraktion im Nordirak führen dazu, daß die Türkei gegenwärtig nahezu täglich in den bundesdeutschen Schlagzeilen erscheint. Es ist (nicht nur) für Außenstehende schwierig, angesichts der Vielfalt der Probleme und Konfliktebenen die Nachrichten ohne Klischees und Vorurteile zu verarbeiten. Eine Folge der Unübersichtlichkeit und der Überforderung vieler bundesdeutscher Nachrichtenkonsumenten ist, daß hier lebende Menschen aus der Türkei über einen zunehmenden Verlust an Ansehen klagen. Nicht nur die kleine Minderheit von Gewalttätern kurdischer und türkischer Volkszugehörigkeit gerät in Verruf, sondern alle aus der Türkei stammenden Menschen, die in ihrer Gesamtheit als zerstritten und potentiell gewalttätig angesehen werden. Zu solchen Pauschalierungen, die Menschen letztlich isolieren und ausgrenzen, tragen nicht nur hämische Äußerungen von bundesdeutschen Arbeitskollegen bei - wenn etwa behauptet wird, es sei eine Schweinerei, wie "die Türken" mit "den Kurden" umgehen.

Mai 1995

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema