Der ethnische Konflikt zwischen der kurdischen Volksgruppe und dem türkischen Staat, die Gewalttaten gegen türkische Einrichtungen und Geschäfte in Deutschland, die blutigen Auseinandersetzungen in Istanbul nach Mordanschlägen auf Angehörige der religiösen Minderheit der Aleviten und nicht zuletzt die Militäraktion im Nordirak führen dazu, daß die Türkei gegenwärtig nahezu täglich in den bundesdeutschen Schlagzeilen erscheint. Es ist (nicht nur) für Außenstehende schwierig, angesichts der Vielfalt der Probleme und Konfliktebenen die Nachrichten ohne Klischees und Vorurteile zu verarbeiten. Eine Folge der Unübersichtlichkeit und der Überforderung vieler bundesdeutscher Nachrichtenkonsumenten ist, daß hier lebende Menschen aus der Türkei über einen zunehmenden Verlust an Ansehen klagen. Nicht nur die kleine Minderheit von Gewalttätern kurdischer und türkischer Volkszugehörigkeit gerät in Verruf, sondern alle aus der Türkei stammenden Menschen, die in ihrer Gesamtheit als zerstritten und potentiell gewalttätig angesehen werden. Zu solchen Pauschalierungen, die Menschen letztlich isolieren und ausgrenzen, tragen nicht nur hämische Äußerungen von bundesdeutschen Arbeitskollegen bei - wenn etwa behauptet wird, es sei eine Schweinerei, wie "die Türken" mit "den Kurden" umgehen.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.