Ausgabe Dezember 1996

Arabella light

Ortrun veranstaltet eine Party, auf der es laut zugeht. Gabi, ihre Nachbarin, beschwert sich, schlägt die Einladung mitzufeiern aus und holt die Polizei. Damit nicht genug: Sie nimmt Rache, schmiert der Störenfriedin Senf unter die Türklinke. Die wiederum verklebt ihr am nächsten Tag den Briefkasten mit Sekundenkleber und läßt ihr Sahnetorten ins Haus liefern. Ortrun revanchiert sich mit einem Callboy, der mitten in ein T?te-?-t?te platzt.

Erst nach einigen weiteren Stufen der Eskalation gibt's dann eine Versöhnung mit Sekt. Ihre Geschichte, die natürlich wahr ist, erzählen die jetzt zu Freundinnen Gewordenen einem Studiopublikum und einigen Millionen Zuschauern im Fernsehen. Der Studiorahmen für die Plaudereien aus dem Nähkästchen ist gediegen: Ein Steg mit Laufband führt über einen künstlichen Bach zu einer Sitzgruppe, drum herum, weitläufig im Raum postiert, etwa 100 Zuschauer live. Arabella Kiesbauer moderiert mit einer beeindruckenden Sprechgeschwindigkeit. Ihr Name ist Programm, denn er beschreibt die Kombination von leicht exotischem Äußeren mit urdeutschen Ansichten und Wertvorstellungen. Ihre Sendung erfreut die Zuschauer von Pro 7 zweimal die Woche, dienstags mit einer Talkshow, montags mit Arabella night.

Dezember 1996

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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