Ausgabe Februar 1996

Der Weg nach Dayton

Diplomatische Stationen eines Friedensprozesses

In seinem Artikel "Wo der Osten beginnt", publiziert 1929 in "Foreign Affairs", beschrieb Hamilton Fish Armstrong Gefühle und Vorurteile, die auch heute noch über den Osten, dessen Bewohner, über Jugoslawien und die Jugoslawen bestehen. Der Balkan ist zurück in der Zukunft. Genau wie 1918, als die Großmächte die südlichen Slawenvölker bei der Bildung des Staates der Serben, Kroaten und Slowenen, dem Vorgänger des Staates Jugoslawien, unterstützten und gleichzeitig einen dauernden Frieden nach dem Ersten Weltkrieg und die Aufteilung der Kaiserreiche versprachen, wird heutzutage die Vereinbarung von Dayton als der Beginn einer neuen Weltordnung präsentiert, als Meilenstein eines Friedens, dessen Geist jetzt über den Balkan streicht. Es ist traurig und beunruhigend festzustellen, daß während der Kalte Krieg friedlich zu Ende ging, gleichzeitig ein heißer Krieg im Herzen Europas begann.

Die Konsequenzen des Krieges in Jugoslawien wie auch die politischen Folgen des in Dayton unterzeichneten Friedensabkommens reichen weit über die Grenzen Jugoslawiens hinaus. Die kulturellen Elemente, die den dortigen Krieg möglich machten, haben vielfältige Folgen für die Beziehungen der Staaten der Europäischen Union untereinander und die Sicherheitsstrukturen.

Februar 1996

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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